Landrat und Stellvertreter sprechen sich gegen Gymnasium-Neubau aus

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Landrat und Stellvertreter sprechen sich gegen Gymnasium-Neubau aus

Angebot der Gymnasien Landshut-Seligenthal und Furth bringt die erforderliche Entlastung


Landrat Josef Eppeneder und seine Stellvertreter Josef Haselbeck, Christel Engelhard, Daniel Sporer und Peter Dreier haben bei einem Treffen im Landratsamt Landshut Bilanz gezogen vor dem Hintergrund der neuen Sachlage, die sich in der Frage ergeben hat, ob der Neubau eines weiteren Gymnasiums zur Lösung der Engpässe bei dem Angebot von Gymnasiumsplätzen in der Region Landshut notwendig ist oder nicht. Wie sie dabei betonten, bringt Erweiterung des Angebots der Gymnasien Landshut-Seligenthal und Maristen-Gymnasium Furth nach ihrer Überzeugung die erforderliche Entlastung und Lösung des Problems. Ein Neubau eines Gymnasiums im Landkreis Landshut erübrigt sich aus ihrer Sicht daher.

(Bild: Gesprächsrunde im Amtszimmer des Landrats, im Bild, von links: die stellvertretenden Landratte Josef Haselbeck, Daniel Sporer und Christel Engelhard, Landrat Josef Eppeneder, stellvertretender Landrat Peter Dreier.)

"Hier kurz die Historie der Entscheidungsfindung in den zurückliegenden 12 Monaten:

  1. Im Januar 2008 hat der Ministerialbeauftragte für die Gymnasien in Niederbayern, Herr Klaus Drauschke, ein Konzept ausgearbeitet, das eine Lösung der Probleme der Gymnasien im Raum Landshut bringen sollte. Insbesondere hatte er dabei auch die Entlastung des Hans-Leinberger-Gymnasiums (HLG) im Blick.

  2. Das Kultusministerium lud aus gegebenem Anlass zu einem Fachgespräch ins Landratsamt Landshut ein, bei dem Herr Drauschke sein Konzept vorstellte.
    Kernpunkte seiner Vorschläge waren, dass
    • das Hans-Carossa-Gymnasium (HCG) einen mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig einrichtet (ein Schwerpunkt des HLG liegt in diesem Bereich) und

    • das Gymnasium Seligenthal einen musischen Zweig einrichtet.
      Dadurch, so Drauschkes Resümee, würde die Situation umfassend verbessert und die Engpässe würden nachhaltig beseitigt.

  3. Der Landkreis Landshut hat sich seit längerem bereit erklärt, an der Lösung der problematischen Situation auf dem Gymnasial-Sektor mitzuwirken. Daher hat man be-reits im Jahr 2005 beim Kultusministerium einen Antrag auf den Bau eines neuen Gymnasiums gestellt. Am 31. März diesen Jahres hat der Kreistag diesen Antrag bekräftigt.

    Das bayerische Kultusministerium hat dem Antrag des Landkreises Landshut solange nicht stattgegeben, bis eine Stellungnahme von Seiten des HCG vorlag.

    Die Schulfamilie des HCG hat sich dann im Laufe des Jahres 2008 gegen die Erweiterung um einen mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig ausgesprochen.

  4. Auf dieser Grundlage hat das Kultusministerium am 12. September 2008 dem Antrag des Landkreises Landshut auf einen Gymnasium-Neubau stattgegeben – vorbehaltlich der Zustimmung des Finanzministeriums. „Zu diesem Zeitpunkt war klar, dass wir in die Pflicht genommen werden“, resümiert Landrat Josef Eppeneder. Die Zustimmung des Finanzministeriums erfolgte am 28. Oktober 2008.

  5. In der Folge sind viele Informationsgespräche geführt und viele Treffen der zuständigen Gremien sowie der Fraktionsführer und der Fraktionen des Kreistages anberaumt worden. Die Politiker, die im Landkreis Landshut Verantwortung tragen, haben sich in dieser Phase darauf festgelegt, dass die Situation der Gymnasien nur durch einen Neubau befriedigend gelöst werden kann.

  6. Nachdem die klaren Aussagen von Seiten des Landrats und des Landkreises, dass ein neues Gymnasium gebaut werden wird, die Runde machten, sind Schulleiter und die Träger von Gymnasien offenbar sehr aufmerksam geworden.

    Dem Landkreis wurden immer wieder neue konkrete Vorschläge unterbreitet, insbesondere von Seiten der beiden Gymnasien Seligenthal und Furth. Das Gymnasium Seligenthal hatte zudem schon früher konkrete Vorschläge gemacht: Unter allen, die sich mit dem Problem beschäftigt haben, bestand freilich die Meinung, dass allein ei- ne Öffnung des Gymnasiums Seligenthal die Situation nicht in dem nötigen Ausmaß entschärfen kann.

  7. Der Landkreis hat eine Schulbedarfsprognose erstellen lassen durch ein wissenschaftliches Institut, und dabei ergeben sich mittel- und langfristig ein erheblicher Rückgang bei den Geburten- und Schülerzahlen. Hinzu kommen eigene Erhebungen von Landkreisseite.

  8. Am 9. Dezember 2008 ist im Landratsamt Landshut ein Schreiben des Maristen-Gymnasiums Furth eingegangen, nach dem die Schule bereit ist, sich von der Dreizügigkeit auf die Vierzügigkeit zu öffnen.

    Dies stellt nach Auffassung von Landrat Josef Eppeneder und seiner Stellvertreter ei ne neue Situation dar, die in den Entscheidungsprozess einfließen muss.

  9. Wenn sich sowohl Seligenthal als auch Furth öffnen und zusätzliche Plätze zur Verfügung stellen, bedeutet dies, dass 16 zusätzliche Klassenräume zur Verfügung stehen und somit zusätzlich 480 Schüler in Gymnasien in der Region untergebracht werden können.

  10. Im Jahr 2011 verlassen zwei Abitur-Jahrgänge die Gymnasien. Ab dann gibt es nur noch das G 8. Dies entspricht in punkto Bedarf an Gymnasialplätzen in der Region Landshut einer Entlastung um 15 Klassen. Zusammen mit den 16 zusätzlichen Klassen in Seligenthal und Furth liegt die Entlastung somit bei 31 Klassen. Bei einer Neugründung würden jedoch zu den 15 Klassen aufgrund des Doppeljahrgangs zusätzlich 32 Klassen kommen. Damit würde man eine Überkapazität von rund 16 Klassen schaffen.

  11. Es ist eine Kernbedingung, die der bayerische Staat an den Neubau von Gymnasien stellt, dass ein neues Gymnasium bestehende Gymnasien in ihrem Bestand nicht gefährden dürfen. Auf dieser Grundlage hat das Kultusministerium die eindeutige Vorgabe gemacht, dass nur Ergolding als Standort für ein weiteres Gymnasium in Frage kommt.

  12. Durch ein Gymnasium in Ergolding wären aber die Gymnasium-Standorte Seligenthal und Furth stark betroffen, betonen Landrat Josef Eppeneder und seine Stellvertreter: Man muss von der Abwanderung von Schülern bis hin zur Gefährdung ihres Bestands rechnen.

  13. „Deshalb sind wir der Meinung, dass der Bedarf an Gymnasialschulplätzen in der Region Landshut angesichts der Zahlen der zu erwartenden Schüler und vor dem Hintergrund der Öffnung der Gymnasien Seligenthal und Furth für neue Schüler mehr als abgedeckt wird“, stellen die Spitzenvertreter des Landkreises Landshut fest.



Die notwendige Entlastung des HLG ist durch den Ausbau der Kapazitäten der Gymnasien garantiert: „Das sind die Gründe, warum wir uns in der neuen Situation gegen den Neubau eines Gymnasiums aussprechen.“

Quelle: Elmar Stöttner, Pressesprecher - Landratsamt Landshut
Edited by JR on 23.01.2009 - 13:38