Landshut, 24. Januar 2009: „Der bedeutendste Rohstoff der Bundesrepublik liegt in den Köpfen der Menschen“, betonte Grünen-Kreisrat Michael Vogt am Mittwoch zu Beginn eines Informationsabends der Grünen in Sachen neues Gymnasium.
Es war eine parteiübergreifende Veranstaltung. Toni Deller von der FDP und Birgit Schäffner (Junge Liste) warben ebenfalls für ein neues Gymnasium, denn Kinder müssen bei der Bildung Priorität haben, ihre Talente optimal gefördert 1 werden.
Michael Vogt sprach sich für einen direkten Weg zum Abitur aus, wobei er eine gemeinsame Grundschulzeit bis zur sechsten Klasse befürwortet. „Bildung, Bildung, Bildung“ heiße es auch im Bayerischen Landtag, mehr Ganztagesschulen sollen aufgebaut werden. Es sei das Ziel, längerfristig auf eine Klassenstärke von 25 Schülern zu kommen. Setze man diese Zahl an, brauche man 201 Klassenzimmer, die Ist-Zahl liegt bei 172 Räumen. Nach den Berechnungen gehen die Schülerzahlen zurück, dies sei für ein mögliches neues Gymnasium von Bedeutung, aber auch die Berufsschülerzahlen gehen zurück, da frage kein Mensch, ob die Schülerzahlen für einen Teilneubau ausreichen. Die Geburtenzahlen im Landkeis seien im vergangenen Jahr deutlich über den Prognosen gelegen, nach elf Monaten seien schon mehr registriert worden als vorhergesagt, ohne die Zuwanderung zu berücksichtigen.
Es stellt sich für Vogt die Frage, ob man sich mit der niedrigen Übertrittsquote der Landkreisschüler ans Gymnasium - die genannten Zahlen schwanken zwischen 32 und 22 Prozent - zufrieden geben sollte und gibt die klare Antwort: Nein. Der Kreisrat zitierte aus der von Landrat Josef Eppeneder so gerne hergenommenen Studie, wo der Landkreis unter den 440 Landkreisen eine Spitzenstellung einnimmt: im Bereich Bildung bekommt der Landkreis Landshut die Note fünf und bei der Kinderbetreuung gar die Note sechs. Das tue besonders weh, da gerade viele junge Familien im Landkreis wohnen. FDP-Kreisrat Toni Deller sprach nochmals den Sinneswandel einiger Kreisräte und auch der Landräte an. Kurz nach der Wahl Ende März 2008 waren noch alle für einen Neubau. und seitdem habe sich an den Tatsachen nichts geändert. Dass ein neues Gymnasium 30 Millionen Euro kosten solle, sei eine reine Fantasiezahl, da ja noch kein Raumbedarf ermittelt wurde.
Das „Geschenk des Finanzministeriums“, den Neubau zu fördern, abzulehnen, hält Deller für äußerst bedenklich. Es gehe darum, den Kindern und Kindeskindern eine optimale Bildung in einem überschaubaren Gymnasium und nicht in einer Mammutschule zu garantieren. „Wir sind es unseren Nachkommen schuldig, dass sie eine Stätte mit vernünftiger Bildung vorfinden“ sagt der FDP-Kommunalpolitiker. Es sei auch völlig egal, an welchem Standort das Gymnasium gebaut werde, der Standort könnte theoretisch auch in der Stadt Landshut sein, aber die habe vermutlich kein Geld.
Dass ein Großteil der Bürgermeister von einem neuen Gymnasium nicht begeistert ist, wenn ihnen suggeriert wird, dass die Kreisumlage um fünf bis acht Punkte angehoben wird, könne er durchaus verstehen. Aber es gehe nicht um eine Finanzierung des Projekts innerhalb von drei Jahren; hier müsse man langfristig agieren.
Eine Mammutschule mit Wanderklassen und Unterricht auf den Gängen, das sei nicht animierend, aufs Gymnasium zu gehen, betonte Birgit Schäffner von der Jungen Liste.
Es gehe darum, die bestehenden Gymnasien zu entlasten, insbesondere das Hans-Leinberger-Gymnasium. Schäffner ist auch nicht begeistert, wenn das Further Maristen-Gymnasium erweitert wird und sich das Gymnasium Seligenthal für Jungen öffnet. „Wir brauchen ein überschaubares Gymnasium mit optimalen Ausbildungsräumen“, betonte die Mutter von zwei Kindern. Praktisch denkende Menschen mit akademischer Ausbildung sind gefragt, sagte der Grünen-Stadtrat Dr. Thomas Gambke.
Prof. Ernst Fricke appellierte an die Kommunalpolitiker, eine schnelle Lösung für den Engpass zu finden. Er möchte wissen, auf welches Gymnasium er seinen neunjährigen Sohn schicken kann. Franz Attenkofer, Jugendbeauftragter in Kumhausen, erklärte, dass auf dem naturwissenschaftlichen Sektor die Situation an den Gymnasien „brennt“. Hier sei dringender Handlungsbedarf geboten.
Die Besucher des Abends, es waren trotz des brisanten Themas relativ wenige, sind gespannt auf die Entscheidung des Kreistags am 2. Februar. Wie Toni Deller sowie die Grünen-Kreisräte Michael Vogt und Rosi Steinberger betonten, werden sie bei der Sitzung in jedem Fall eine namentliche Abstimmung verlangen.
Quelle: Artikel aus der Landshuter Zeitung vom 24. Januar 2009







