Knappe 7:6-Entscheidung im Kreisausschuss für neues Gymnasium
Landshut, 27. Januar 2009 Schon lange nicht mehr wurde in einem politischen Gremium des Landkreises so heftig und konträr diskutiert. Zweieinhalb Stunden dauerte gestern im Kreisausschuss die Debatte, bis alle Argumente pro und contra neues Gymnasium ausgetauscht waren und die namentliche Abstimmung erfolgte. Sieben Kreisräte stimmten dafür, fünf und der Landrat dagegen. Am 2. Februar fällt im Kreistag die Enscheidung.
Landrat Josef Eppeneder gab zu verstehen, dass es eine ganz weitreichende Entscheidung sei, die die Kreisräte zu treffen hätten. Er gab auch zu, dass es eine Gratwanderung ist. Mit der Öffnung vom Gymnasium Seligental für einen musischen
Zweig und für Jungen sowie der Bereitschaft des Maristen-Gymnasiums in Furth, vierzügig zu werden, habe sich.für ihn die Situation von Grund auf geändert, berichtete Landrat Josef Eppeneder, der zuvor Befürworter eines weiteren Landkreis- Gymnasiums war.
Mit dieser neuen Erkenntnis seien nochmals Gespräche mit den Fraktions-Führern, Gruppensprechern, allen Schulleitern der fünf Gymnasien im Raum Landshut und der jeweiligen Sachaufwandsträger geführt worden. Dabei sei zu vernehmen gewesen, dass die Schulleiter mit der derzeit angespannten Situation zu Rande kommen.
Bis der Bau im Landkreis stehe, dürfte es 2013 sein, dann gebe es keine Engpässe mehr. Eppeneder führte einmal mehr an, dass er, was die generelle Schulsituation in den kommenden Jahren angeht, von Freistaat und Schulpolitik im Stich gelassen werde. Kultusminister Ludwig Spaenle kommt am Donnerstag zu einem kulturpolitischen Gespräch nach Ergolding. informierte der Landrat. „Wäre er doch besser früher gekommen und hätte verbindliche Aussagen gemacht. "
Seit der einstimmigen Abstimmung Ende März im Kreistag hat sich für den Fraktionssprecher der CSU, Hans Bauer, nichts geändert. Die einmalige Chance, dass das Kultus- und Finanzministerium den Bau begrüßen und unterstützen, komme kein zweites Mal. „Wir müssen langfristig für den Landkreis denken und der Jugend optimale Bildungsmöglichkeiten bieten", betonte Bauer. Wenn der Landkreis ein eigenes Gymnasium hat, könne er sich die Gastschulbeiträge, es sind pro Schüler 750 Euro, sparen, dies mache eine gute halbe Million Euro aus. Wenn man das Gymnasium über einen Zeitraum von 20 Jahren abfinanziere, kämen in etwa jährliche Kosten von 1.2 Millionen Euro auf den Landkreis zu. Beim Berufsschulzweckverband stehe ein Betrag in etwa gleicher Höhe an. Dort werde ohne Problem über Schulden finanziert.
Auch wenn Peter Dreier und Hans Weinzierl (beide Freie Wähler) früher für einen Neubau waren, sind sie nun vehement dagegen. „Wenn sich gravierende Dinge ändern, kann man seine Meinung ändern, denn ich will nicht mit dem Kopf durch die
Wand", argumentierte Peter Dreier, der einmal mehr verdeutlichte, dass die Schülerzahlen sinken werden. Mit Seligenthal und Furth könne man kurzfristig etwas erreichen, um die derzeitige Spitze abzufangen. Eine Umfrage, die Dreier bei den 35
Bürgermeistern im Landkreis gemacht hat, brachte ein klares „Nein" zum neuen Gymnasium, lediglich vier stimmten dafür. Und dies hat laut Dreier nicht nur finanzielle Gründe. Weinzierl will sich nicht auf Visionen, sondern auf Fakten verlassen. Es gibt nach den Berechnungen keine Unterversorgung an Klassenräumen. Er verwehrt sich auch dagegen, dass die Nein-Sager zum neuen Gymnasium nicht die bestmögliche Bildung der Kinder im Auge hätten.
„Wie will man ein Gymnasium ablehnen, wenn alle anderen Schulen randvoll sind?", fragte sich Grünen-Kreisrat Michael Vogt. Wir brauchen hoch qualifizierte Menschen", betonte Vogt und stellte heraus, dass gerade auch die CSU sich immer wieder für Bildung, Bildung, Bildung stark mache.
SPD-Fraktionsvorsitzende Ruth Müller berichtete, dass in ihrer Fraktion die Meinung zum neuen Gymnasium gespalten ist, sie aber für die Bildung stimmen werde. Man könne davon ausgehen, dass die Übertrittsquoten steigen werden, zudem sei ein Ganztagesangebot sehr wichtig.
Kreisrat Fritz Wittmann (Freie Wähler) wagte einen Blick ins Jahr 2028: Bei kleiner Klassenstärke von 28 käme man auf einen Raumbedarf von 177 Räumen und bei 25 Schülern pro Klasse auf 198 Klassen. Dies würde ein Gymnasium mehr als derzeit bedeuten. Dann hätte man überschaubare Gymnasien, wobei kleinere Einheiten prinzipiell pädagogisch sinnvoll wären. Für Wittmann ist seine Prognose nicht nur ein Zahlenspiel, sondern auch Philosophie. Er macht sich für einen etwas anderen Bildungsauftrag stark.
Die Zahlen und Fakten lassen Max Wimmer optimistisch stimmen, dass ein neues Gymnasium gebraucht wird. Es geht für ihn auch um die persönliche Glaubwürdigkeit, denn überall heißt es, Bildung ist wichtig. „Die Zukunft gehört den Schnelleren und nicht den Langsameren", zitierte der CSU-Kreisrat einen oft enutzten Satz von Landrat Eppeneder. Man sollte den Mut für Zukunft haben und damit zu den Schnelleren gehören.
Landrat Eppeneder versicherte, dass er die Mehrheitsentscheidung im Kreistag akzeptieren werde, und wenn eine Mehrheit für ein neues Gymnasium sei, dann werde er den Willen akzeptieren. Jeder müsse nach Wissen und Gewissen seine Entscheidung treffen.
Quelle: Gabi Lössl - Artikel aus der Landshuter Zeitung vom 27. Januar 2009







