Spannung auf dem Misthaufen
Die gewonnene Energie reicht für Strom und Warmwasser, und es bleibt viel mehr übrig, als das Dorf überhaupt braucht. Vor einigen Jahren beschloss Jühnde, die Energie-Abhängigkeit zu beenden. Das Dorf bildete deshalb eine Genossenschaft und betreibt den Energiespender, das Kraftwerk, selbst. Die Einwohner bekommen nun 80 Grad warmes Wasser, das durch das fünfeinhalb Kilometer lange Nahwärmerohrnetz gepumpt wird. Es fließt unmittelbar in die Heizkörper der Häuser. Die öffentlichen Einrichtungen profitieren von grüner Energie, und auch die Privathaushalte, die neben einem guten Gewissen auch noch niedrige Preise ernten. Ein Einfamilienhaus in Jühnde kann mehrere Hundert Euro im Jahr an Energiekosten sparen.
Ein Beispiel, das Schule machen könnte. Mittlerweile kommen Wissenschaftler und Studenten aus der ganzen Welt, um sich das aufmüpfige Projekt des kleinen Dorfes anzuschauen. Bio-Energie ist in. Auch im Verkehr. Bis 2020, so sieht es die Biokraftstoff-Strategie der Bundesregierung vor, soll jeder fünfte getankte Liter ökologischer Herkunft sein. Die Klimabilanz ist aber umstritten. Biokraftstoff ist längst nicht erste Wahl, wenn es um den CO2-Ausstoß geht.
Jühnde geht eigene Wege
Die Herstellung von Biosprit nutzt dem Bauern, nicht der Umwelt, sagen Kritiker, weil der Herstellungsaufwand sehr hoch ist. Doch die Richtung stimmt. Nach einer Analyse der Deutschen Bank ist Bio-Masse ein Alleskönner, der für Strom, Wärme oder Kraftstoff eingesetzt werden kann. Biogas hat gegenüber Strom aus Wind- und Sonnenenergie den Vorteil, dass es als Energieträger gespeichert werden kann. Die Zahl der Biogasanlagen hat sich von 1999 bis 2006 auf 3500 vervierfacht.
Viele Unternehmen wollen mit Bio-Energie Gewinne erzielen. Doch es gibt immer wieder Rückschläge. Steuererhöhungen oder Misserfolge in der technologischen Entwicklung beispielsweise. Für die Gemeinde Jühnde jedenfalls hat sich ihr Entscheid für Unabhängigkeit und Umweltschutz gelohnt. Es kann sich rechnen, von den großen Stromkonzernen unabhängig zu sein. Diesem Beispiel könnten schon bald weitere Dörfer folgen.
Quelle: 3Sat - Bioenergie







