24.8.2010 (rs) Wenn von der Stromerzeugung durch PV-Anlagen gesprochen wird, kommt ziemlich schnell das Argument, dass der Sonnenstrom den Strompreis verteuert. Durch die garantierte Einspeisevergütung kann man schließlich auch ganz leicht ausrechnen, wie viel Geld der einzelne Haushalt für die Förderung der Solarenergie zu zahlen hat. Derzeit sind es etwa zwei Cent pro Kilowattstunde, also kommen übers Jahr etwa 16 Euro für einen durchschnittlichen Haushalt zusammen.
„Diesen Preis zahle ich gerne für eine Stromerzeugung, die die Umwelt und unsere Gesundheit nicht belastet und die unseren Kindern keinen hochgefährlichen Müll hinterlässt“, sagt Rosi Steinberger, Bezirksvorsitzende der Grünen in Niederbayern. Doch kaum jemand weiß, dass die Sonnenenergie gleichzeitig auch den Strompreis an der Börse in Leipzig deutlich senkt.
„Die Rechnung ist eigentlich ganz einfach“, erklärt Franz Feilmeier, energiepolitischer Sprecher der Grünen in Niederbayern. Die Börse sammelt alle Angebote für den nächsten Tag und sortiert sie vom niedrigsten bis zum höchsten Preis. So entsteht die Einsatzreihenfolge der Kraftwerke. Je nachdem, wie viel Strom gebraucht wird, kommen dann die Kraftwerke in dieser Reihenfolge an die Reihe. Interessant ist dabei, dass das teuerste Kraftwerk, das zugeschaltet werden muss, den Strompreis für den gesamten Strom bestimmt.
Für den Betreiber eines AKWs ist diese Regel sehr günstig. Er kann seinen Atomstrom sehr billig anbieten und kommt immer zum Zuge. Bezahlt wird der jeder Strom an der Börse aber mit dem Preis des teuersten Stroms, der gerade gebraucht wird. Der Strompreis ist also genau dann am höchsten, wann der meiste Strom gebraucht wird, also das teuerste Kraftwerk zugeschaltet werden muss. Das ist in der Regel in der Mittagszeit der Fall, man spricht auch von der „Mittagsspitze.“
Nun kommt es immer häufiger vor, dass der Strom aus Photovoltaik die teuersten Stromanbieter aus dem Spiel wirft. Denn gerade mittags gibt es viel Sonnenstrom. Die Mittagsspitze weicht immer öfter einer geraden Linie oder wird sogar zur Delle. Denn es sind in Deutschland bereits 15 Gigawatt installierte PV-Leistung vorhanden, die sich an der Strombörse schon jetzt deutlich bemerkbar machen.
Eine Studie der grünen Bundestagsfraktion hat ergeben, dass der Strom an der Börse seit 2008 um einen Cent pro Kilowattstunde gefallen ist. Der Strompreis für den Endkunden ist aber in der gleichen Zeit erhöht worden, bei RWE zum Beispiel um 1,5 Cent. „Der Solarstrom trägt also auch zur Senkung der Stromkosten bei, nur der Verbraucher merkt nichts davon“, empört sich Steinberger. Mit der Mär vom teuren Solarstrom befeuert die Atomlobby aber ihre Kampagne zur Laufzeitverlängerung. Denn hier ist immer noch das meiste Geld verdient.
Rosi Steinberger
Bezirksvorsitzende der Grünen in Niederbayern
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