2010-09-22 Supergau von ISAR 1 schon bei Terrorangriff mit tragbaren Waffensystemen möglich

Supergau von ISAR 1 schon bei Terrorangriff mit tragbaren Waffensystemen möglich

Die Welt war geschockt, als 2001 zum ersten – und bisher auch letzten Mal – in der Geschichte Flugzeuge entführt wurden, um mit ihnen Terroranschläge zu verüben. Damals starben ca. 3000 Menschen.

Auch bei der Diskussion um die Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke wurde über diese Gefahr eines Terroranschlages nachgedacht. Da aber Umweltminister Röttgen bei den Geheimverhandlungen ausgesperrt blieb, blieben auch seine Forderungen nach einer Erhöhung der Sicherheitsvorschriften für die ältesten Atomkraftwerke gänzlich ungehört. Nach derzeitigem Stand brauchen die Atomkonzerne trotz der Milliardengeschenke von Union und FDP kaum mehr in die Sicherheit ihrer Anlagen zu investieren.

Vor diesem Hintergrund ist es geradezu schockierend, was ein neues Gutachten von Greenpeace nun ergab: um einen Supergau beispielsweise im überalterten Reaktor ISAR 1 auszulösen, muss gar kein gezielter Angriff mit einem Passagierflugzeug erfolgen, es reichen bereits tragbare Waffensysteme. Laut Gutachterin Oda Becker, Diplom-Physikerin an der Fachhochschule Hannover, könnten die Schüsse der russischen Panzerabwehrlenkwaffe AT-14 Kornet-E die Stahlbetonwand älterer Reaktorgebäude durchschlagen. Bestückt mit sogenannten thermobarischen Gefechtsköpfen mit enormer hitzeentwickelnder Sprengkraft, könnte es im Inneren des Reaktors zu einer Kernschmelze bei offenem Containment mit katastrophalen Folgen kommen.

Die Panzerabwehrlenkwaffe kann vom Boden oder einem Fahrzeug aus bis zu fünf Kilometern Entfernung leicht bedient werden, weist eine hohe Treffergenauigkeit auf und ist nach Greenpeace-Recherchen auf dem grauen Markt erhältlich. Gebiete in einer Größe bis zu 100.000 Quadratkilometern wären unbewohnbar. Greenpeace hat das vollständige Gutachten an das Bundesinnenministerium, das Bundesverteidigungsministerium und das Bundeskriminalamt weiter geleitet. Aber dort scheint man sich für diese Horrormeldung nicht zu interessieren.

Für Rosi Steinberger, Bezirksvorsitzende der Grünen in Niederbayern steht fest: „Die Bundesregierung will die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke um jeden Preis. Dafür setzt sie sogar die Sicherheit und das Leben von uns und unseren Kindern aufs Spiel. Und Franz-Josef Feilmeier, energiepolitischer Sprecher der Grünen in Niederbayern fügt hinzu: „Was werden wir wohl unseren Kindern mal sagen, wenn es tatsächlich zum Supergau eines Schrottreaktors kommt? Denn dann können wir unsere heutigen Fehlentscheidungen um keinen Preis der Welt mehr rückgängig machen.“

Rosi Steinberger
Vorsitzende der Grünen in Niederbayern
Rosenweg 12
84036 Kumhausen