CSU-Politiker fallen auf Propagandatricks herein

CSU-Politiker fallen auf Propagandatricks herein


Eine Abordnung von CSU-Politikern um den Landtagsabgeordneten Kobler hat das AKW in Temelin besucht und war beeindruckt von den dortigen Sicherheitsstandards.

Dazu erklärt der Bezirksvorstand der Grünen in Niederbayern:

Die mangelnde Sicherheit des tschechischen Atomkraftwerks in Temelin ist legendär. Selbst deutsche Atomkraftbefürworter wie der bayerische Umweltminister Söder weisen immer wieder gerne darauf hin, dass sie keinen Strom aus dem „unsicheren Temelin“ importieren wollen. Eine Pannenserie ohne Gleichen ist seit der Inbetriebnahme bis heute nicht abgerissen. 2007 traten 2000 Liter radioaktiv verseuchtes Wasser aus. Im Januar 2009 meldete die tschechische Atomaufsichtsbehörde ein Leck im Primärkühlkreislauf, also im hochkritischen Teil der Anlage. Bisher gab es schon über 100 so genannte „Zwischenfälle“.

Das Umweltinstitut München beschreibt die Anlage in Temelin so:
„Die Anlage bleibt in ihrer Auslegung weit hinter den Europäischen Sicherheits-Standards zurück. Schwere Unfälle mit erheblicher Freisetzung von radioaktivem Material können nicht ausgeschlossen werden.“
Der nächstgelegene Grenzpunkt in Deutschland ist nur 59 km von der Anlage entfernt. „Wir erwarten von unseren Volksvertretern etwas mehr Sensibilität und weniger Blauäugigkeit“, meint Rosi Steinberger, Vorsitzende der Grünen in Niederbayern. „Vermutlich hat die CSU-Arbeitsgruppe das ganz normale touristische Programm durchlaufen und meint nun, sie wüsste über die Sicherheit eines Atomreaktors Bescheid“, spottet Steinberger.

Dass CSU-Politiker nun durch bloßen Augenschein die Sicherheit von Temelin beurteilen wollen, ist nicht nur ein Fall von maßloser Selbstüberschätzung, sondern auch ein gefährliches Spiel mit der Sicherheit und Gesundheit der bayerischen Bevölkerung. Hier können sich die Politiker ein Beispiel an Oberösterreich nehmen. Dort ist man auf einem ganz anderen Wissensstand und könnte den bayerischen Nachbarn einmal Nachhilfe anbieten.

Ganz spannend wird die Aussage von Herrn Kobler, wenn er die Anlage in Temelin als etwa doppelt so sicher bezeichnet, wie die durchschnittlichen westlichen Atomkraftwerke. „Das scheint geradewegs aus dem Werbeprospekt von Temelin entnommen zu sein“, meint Stefan Haug, Co-Vorsitzender im Bezirksverband. „Mit dieser Aussage könne das Fazit nur lauten: Abschalten aller unsicheren westlichen AKWs, einschließlich der deutschen.“ Aber Kobler fordere das Gegenteil, nämlich längere Laufzeiten. „Damit ist die Aktion endgültig zur Propagandanummer für die Atomkonzerne verkommen“, folgert Steinberger.

Rosi Steinberger
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
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Dr. Toni Hofreiter, MdB
Bündnis 90/DIE GRÜNEN
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