Landshut, 27. Januar 2009 Schon lange nicht mehr wurde in einem politischen Gremium des Landkreises so heftig und konträr diskutiert. Zweieinhalb Stunden dauerte gestern im Kreisausschuss die Debatte, bis alle Argumente pro und contra neues Gymnasium ausgetauscht waren und die namentliche Abstimmung erfolgte. Sieben Kreisräte stimmten dafür, fünf und der Landrat dagegen. Am 2. Februar fällt im Kreistag die Enscheidung.
Landrat Josef Eppeneder gab zu verstehen, dass es eine ganz weitreichende Entscheidung sei, die die Kreisräte zu treffen hätten. Er gab auch zu, dass es eine Gratwanderung ist. Mit der Öffnung vom Gymnasium Seligental für einen musischen
Zweig und für Jungen sowie der Bereitschaft des Maristen-Gymnasiums in Furth, vierzügig zu werden, habe sich.für ihn die Situation von Grund auf geändert, berichtete Landrat Josef Eppeneder, der zuvor Befürworter eines weiteren Landkreis- Gymnasiums war.
Mit dieser neuen Erkenntnis seien nochmals Gespräche mit den Fraktions-Führern, Gruppensprechern, allen Schulleitern der fünf Gymnasien im Raum Landshut und der jeweiligen Sachaufwandsträger geführt worden. Dabei sei zu vernehmen gewesen, dass die Schulleiter mit der derzeit angespannten Situation zu Rande kommen.
Bis der Bau im Landkreis stehe, dürfte es 2013 sein, dann gebe es keine Engpässe mehr. Eppeneder führte einmal mehr an, dass er, was die generelle Schulsituation in den kommenden Jahren angeht, von Freistaat und Schulpolitik im Stich gelassen werde. Kultusminister Ludwig Spaenle kommt am Donnerstag zu einem kulturpolitischen Gespräch nach Ergolding. informierte der Landrat. „Wäre er doch besser früher gekommen und hätte verbindliche Aussagen gemacht. "
Seit der einstimmigen Abstimmung Ende März im Kreistag hat sich für den Fraktionssprecher der CSU, Hans Bauer, nichts geändert. Die einmalige Chance, dass das Kultus- und Finanzministerium den Bau begrüßen und unterstützen, komme kein zweites Mal. „Wir müssen langfristig für den Landkreis denken und der Jugend optimale Bildungsmöglichkeiten bieten", betonte Bauer. Wenn der Landkreis ein eigenes Gymnasium hat, könne er sich die Gastschulbeiträge, es sind pro Schüler 750 Euro, sparen, dies mache eine gute halbe Million Euro aus. Wenn man das Gymnasium über einen Zeitraum von 20 Jahren abfinanziere, kämen in etwa jährliche Kosten von 1.2 Millionen Euro auf den Landkreis zu. Beim Berufsschulzweckverband stehe ein Betrag in etwa gleicher Höhe an. Dort werde ohne Problem über Schulden finanziert.
Auch wenn Peter Dreier und Hans Weinzierl (beide Freie Wähler) früher für einen Neubau waren, sind sie nun vehement dagegen. „Wenn sich gravierende Dinge ändern, kann man seine Meinung ändern, denn ich will nicht mit dem Kopf durch die
Wand", argumentierte Peter Dreier, der einmal mehr verdeutlichte, dass die Schülerzahlen sinken werden. Mit Seligenthal und Furth könne man kurzfristig etwas erreichen, um die derzeitige Spitze abzufangen. Eine Umfrage, die Dreier bei den 35
Bürgermeistern im Landkreis gemacht hat, brachte ein klares „Nein" zum neuen Gymnasium, lediglich vier stimmten dafür. Und dies hat laut Dreier nicht nur finanzielle Gründe. Weinzierl will sich nicht auf Visionen, sondern auf Fakten verlassen. Es gibt nach den Berechnungen keine Unterversorgung an Klassenräumen. Er verwehrt sich auch dagegen, dass die Nein-Sager zum neuen Gymnasium nicht die bestmögliche Bildung der Kinder im Auge hätten.
„Wie will man ein Gymnasium ablehnen, wenn alle anderen Schulen randvoll sind?", fragte sich Grünen-Kreisrat Michael Vogt. Wir brauchen hoch qualifizierte Menschen", betonte Vogt und stellte heraus, dass gerade auch die CSU sich immer wieder für Bildung, Bildung, Bildung stark mache.
SPD-Fraktionsvorsitzende Ruth Müller berichtete, dass in ihrer Fraktion die Meinung zum neuen Gymnasium gespalten ist, sie aber für die Bildung stimmen werde. Man könne davon ausgehen, dass die Übertrittsquoten steigen werden, zudem sei ein Ganztagesangebot sehr wichtig.
Kreisrat Fritz Wittmann (Freie Wähler) wagte einen Blick ins Jahr 2028: Bei kleiner Klassenstärke von 28 käme man auf einen Raumbedarf von 177 Räumen und bei 25 Schülern pro Klasse auf 198 Klassen. Dies würde ein Gymnasium mehr als derzeit bedeuten. Dann hätte man überschaubare Gymnasien, wobei kleinere Einheiten prinzipiell pädagogisch sinnvoll wären. Für Wittmann ist seine Prognose nicht nur ein Zahlenspiel, sondern auch Philosophie. Er macht sich für einen etwas anderen Bildungsauftrag stark.
Die Zahlen und Fakten lassen Max Wimmer optimistisch stimmen, dass ein neues Gymnasium gebraucht wird. Es geht für ihn auch um die persönliche Glaubwürdigkeit, denn überall heißt es, Bildung ist wichtig. „Die Zukunft gehört den Schnelleren und nicht den Langsameren", zitierte der CSU-Kreisrat einen oft enutzten Satz von Landrat Eppeneder. Man sollte den Mut für Zukunft haben und damit zu den Schnelleren gehören.
Landrat Eppeneder versicherte, dass er die Mehrheitsentscheidung im Kreistag akzeptieren werde, und wenn eine Mehrheit für ein neues Gymnasium sei, dann werde er den Willen akzeptieren. Jeder müsse nach Wissen und Gewissen seine Entscheidung treffen.
Quelle: Gabi Lössl - Artikel aus der Landshuter Zeitung vom 27. Januar 2009
Landshut, 24. Januar 2009: „Der bedeutendste Rohstoff der Bundesrepublik liegt in den Köpfen der Menschen“, betonte Grünen-Kreisrat Michael Vogt am Mittwoch zu Beginn eines Informationsabends der Grünen in Sachen neues Gymnasium.
Es war eine parteiübergreifende Veranstaltung. Toni Deller von der FDP und Birgit Schäffner (Junge Liste) warben ebenfalls für ein neues Gymnasium, denn Kinder müssen bei der Bildung Priorität haben, ihre Talente optimal gefördert 1 werden.
Michael Vogt sprach sich für einen direkten Weg zum Abitur aus, wobei er eine gemeinsame Grundschulzeit bis zur sechsten Klasse befürwortet. „Bildung, Bildung, Bildung“ heiße es auch im Bayerischen Landtag, mehr Ganztagesschulen sollen aufgebaut werden. Es sei das Ziel, längerfristig auf eine Klassenstärke von 25 Schülern zu kommen. Setze man diese Zahl an, brauche man 201 Klassenzimmer, die Ist-Zahl liegt bei 172 Räumen. Nach den Berechnungen gehen die Schülerzahlen zurück, dies sei für ein mögliches neues Gymnasium von Bedeutung, aber auch die Berufsschülerzahlen gehen zurück, da frage kein Mensch, ob die Schülerzahlen für einen Teilneubau ausreichen. Die Geburtenzahlen im Landkeis seien im vergangenen Jahr deutlich über den Prognosen gelegen, nach elf Monaten seien schon mehr registriert worden als vorhergesagt, ohne die Zuwanderung zu berücksichtigen.
Es stellt sich für Vogt die Frage, ob man sich mit der niedrigen Übertrittsquote der Landkreisschüler ans Gymnasium - die genannten Zahlen schwanken zwischen 32 und 22 Prozent - zufrieden geben sollte und gibt die klare Antwort: Nein. Der Kreisrat zitierte aus der von Landrat Josef Eppeneder so gerne hergenommenen Studie, wo der Landkreis unter den 440 Landkreisen eine Spitzenstellung einnimmt: im Bereich Bildung bekommt der Landkreis Landshut die Note fünf und bei der Kinderbetreuung gar die Note sechs. Das tue besonders weh, da gerade viele junge Familien im Landkreis wohnen. FDP-Kreisrat Toni Deller sprach nochmals den Sinneswandel einiger Kreisräte und auch der Landräte an. Kurz nach der Wahl Ende März 2008 waren noch alle für einen Neubau. und seitdem habe sich an den Tatsachen nichts geändert. Dass ein neues Gymnasium 30 Millionen Euro kosten solle, sei eine reine Fantasiezahl, da ja noch kein Raumbedarf ermittelt wurde.
Das „Geschenk des Finanzministeriums“, den Neubau zu fördern, abzulehnen, hält Deller für äußerst bedenklich. Es gehe darum, den Kindern und Kindeskindern eine optimale Bildung in einem überschaubaren Gymnasium und nicht in einer Mammutschule zu garantieren. „Wir sind es unseren Nachkommen schuldig, dass sie eine Stätte mit vernünftiger Bildung vorfinden“ sagt der FDP-Kommunalpolitiker. Es sei auch völlig egal, an welchem Standort das Gymnasium gebaut werde, der Standort könnte theoretisch auch in der Stadt Landshut sein, aber die habe vermutlich kein Geld.
Dass ein Großteil der Bürgermeister von einem neuen Gymnasium nicht begeistert ist, wenn ihnen suggeriert wird, dass die Kreisumlage um fünf bis acht Punkte angehoben wird, könne er durchaus verstehen. Aber es gehe nicht um eine Finanzierung des Projekts innerhalb von drei Jahren; hier müsse man langfristig agieren.
Eine Mammutschule mit Wanderklassen und Unterricht auf den Gängen, das sei nicht animierend, aufs Gymnasium zu gehen, betonte Birgit Schäffner von der Jungen Liste.
Es gehe darum, die bestehenden Gymnasien zu entlasten, insbesondere das Hans-Leinberger-Gymnasium. Schäffner ist auch nicht begeistert, wenn das Further Maristen-Gymnasium erweitert wird und sich das Gymnasium Seligenthal für Jungen öffnet. „Wir brauchen ein überschaubares Gymnasium mit optimalen Ausbildungsräumen“, betonte die Mutter von zwei Kindern. Praktisch denkende Menschen mit akademischer Ausbildung sind gefragt, sagte der Grünen-Stadtrat Dr. Thomas Gambke.
Prof. Ernst Fricke appellierte an die Kommunalpolitiker, eine schnelle Lösung für den Engpass zu finden. Er möchte wissen, auf welches Gymnasium er seinen neunjährigen Sohn schicken kann. Franz Attenkofer, Jugendbeauftragter in Kumhausen, erklärte, dass auf dem naturwissenschaftlichen Sektor die Situation an den Gymnasien „brennt“. Hier sei dringender Handlungsbedarf geboten.
Die Besucher des Abends, es waren trotz des brisanten Themas relativ wenige, sind gespannt auf die Entscheidung des Kreistags am 2. Februar. Wie Toni Deller sowie die Grünen-Kreisräte Michael Vogt und Rosi Steinberger betonten, werden sie bei der Sitzung in jedem Fall eine namentliche Abstimmung verlangen.
Quelle: Artikel aus der Landshuter Zeitung vom 24. Januar 2009
Landrat Josef Eppeneder und seine Stellvertreter Josef Haselbeck, Christel Engelhard, Daniel Sporer und Peter Dreier haben bei einem Treffen im Landratsamt Landshut Bilanz gezogen vor dem Hintergrund der neuen Sachlage, die sich in der Frage ergeben hat, ob der Neubau eines weiteren Gymnasiums zur Lösung der Engpässe bei dem Angebot von Gymnasiumsplätzen in der Region Landshut notwendig ist oder nicht. Wie sie dabei betonten, bringt Erweiterung des Angebots der Gymnasien Landshut-Seligenthal und Maristen-Gymnasium Furth nach ihrer Überzeugung die erforderliche Entlastung und Lösung des Problems. Ein Neubau eines Gymnasiums im Landkreis Landshut erübrigt sich aus ihrer Sicht daher.
(Bild: Gesprächsrunde im Amtszimmer des Landrats, im Bild, von links: die stellvertretenden Landratte Josef Haselbeck, Daniel Sporer und Christel Engelhard, Landrat Josef Eppeneder, stellvertretender Landrat Peter Dreier.)
"Hier kurz die Historie der Entscheidungsfindung in den zurückliegenden 12 Monaten:
Das bayerische Kultusministerium hat dem Antrag des Landkreises Landshut solange nicht stattgegeben, bis eine Stellungnahme von Seiten des HCG vorlag.
Die Schulfamilie des HCG hat sich dann im Laufe des Jahres 2008 gegen die Erweiterung um einen mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig ausgesprochen.
Dem Landkreis wurden immer wieder neue konkrete Vorschläge unterbreitet, insbesondere von Seiten der beiden Gymnasien Seligenthal und Furth. Das Gymnasium Seligenthal hatte zudem schon früher konkrete Vorschläge gemacht: Unter allen, die sich mit dem Problem beschäftigt haben, bestand freilich die Meinung, dass allein ei- ne Öffnung des Gymnasiums Seligenthal die Situation nicht in dem nötigen Ausmaß entschärfen kann.
Dies stellt nach Auffassung von Landrat Josef Eppeneder und seiner Stellvertreter ei ne neue Situation dar, die in den Entscheidungsprozess einfließen muss.
Die notwendige Entlastung des HLG ist durch den Ausbau der Kapazitäten der Gymnasien garantiert: „Das sind die Gründe, warum wir uns in der neuen Situation gegen den Neubau eines Gymnasiums aussprechen.“
Quelle: Elmar Stöttner, Pressesprecher - Landratsamt Landshut
Landshut, 19.1.2009? Angesichts der breitgefächerten kommunalpolitischen Diskussion um die Frage des Neubaus eines Landkreis-Gymnasiums und der umfangreichen Berichterstattung in allen regionalen Medien darüber, hat Landrat Josef Eppeneder am Samstag, 17. Januar 2009, in einem Leserbrief in der "Landshuter Zeitung" Stellung genommen:
„Zu der öffentlichen Diskussion über die Frage ,Neubau eines Landkreis-Gymnasiums Ja oder Nein?, über welche die Landshuter Zeitung dankenswerterweise ausführlich berichtet, möchte ich als Landrat einige Anmerkungen und Feststellungen treffen. Ich respektiere jede andere Meinung und finde es gut, dass sich in einer so wichtigen Frage viele, die Verantwortung tragen, zu Wort melden.
Das zeugt von einer lebendigen öffentlichen Meinungsbildung, wie sie in einer Demokratie selbstverständlich ist. Auch ich als Landrat war lange Zeit geteilter Meinung in dieser Frage, bis ich mich jetzt für ein Nein zu einem neuen Gymnasium entschieden habe. Ich möchte hier kurz einige Punkte zu dieser Meinungsbildung darlegen:
Zusammenfassend möchte ich feststellen, dass das verbindliche Angebot der Gymnasien Seligenthal und Furth eine sofortige Lösung der Probleme im Bereich der Gymnasien verspricht und dass nach dem doppelten Abiturjahrgang 2011 eine große und spürbare Entlastung auf diesem Sektor eintritt.
Im Vordergrund steht für mich als Landrat immer, dass jeder, der aufs Gymnasium gehen will, auch einen Platz in einem der Gymnasien der Region bekommt und dass unsere jungen Leute die besten Bildungschancen erhalten. Auf der Grundlage der hier noch einmal dargelegten Fakten kann ich als Landrat einen Neubau nicht mehr verantworten.“
Quelle: Josef Eppeneder - Landrat Landshut
Landshut, ????: Die Frage, ob der Landkreis Landshut ein neues Gymnasium bauen soll oder nicht, wird auf der Grundlage solider und belastbarer Zahlen entschieden werden: Das ist der einhellige Tenor nach einem Treffen von Landrat Josef Eppeneder mit den Spitzenvertretern aller Fraktionen im Kreistag. Die Kreispolitiker kamen ebenfalls überein, das Thema nicht zum Gegenstand von Auseinandersetzungen im nächsten Kommunalwahlkampf zu machen.
Seit zwei Jahren ist auch der Neubau eines Gymnasiums auf Kreisebene in der Diskussion. Hintergrund ist zum einen insbesondere die Tatsache, dass die beiden Gymnasien in Vilsbiburg und Furth die vielen jungen Leute aus dem Landkreis, die ein Gymnasium besuchen, bei weitem nicht aufnehmen können.
Der Großteil der Gymnasiasten aus dem Landkreis Landshut geht daher in Schulen in der Stadt Landshut oder in sämtlichen umliegenden Nachbarlandkreisen: Für diese Schüler bezahlt der Landkreis Landshut nicht unerhebliche Gastschulbeiträge. Daher wurde in jüngster Zeit der Ruf danach lauter, dass der Landkreis Landshut eine neue Schule bauen solle: Ein Schlagwort war geboren, das vom "dritten Landkreis-Gymnasium" – neben dem Maximilian-von-Montgelas-Gymnasium, das der Landkreis trägt, und dem Maristen-Gymnasium von Furth, das der Landkreis immer wieder massiv unterstützt, dessen Träger freilich seit diesem Schuljahr die Schulstiftung der Diözese Regensburg ist.
Aktueller Auslöser für eine lange hin und her wogende kommunalpolitische Diskussion war die Studie eines Augsburger Forschungsinstituts, aus der eindrucksvoll hervorgeht, dass in ganz Niederbayern und sehr wohl auch im Landkreis Landshut die Quote der Gymnasialschüler deutlich unter dem bayerischen Landesdurchschnitt liegt.
Was tun? Von Seiten der Fraktionssprecher kam der Vorschlag, eine eigene Sitzung zu diesem Thema abzuhalten mit dem Ziel, eine gemeinsame Linie zu finden. Landrat Josef Eppeneder holte sie an einem "runden Tisch" zusammen. Die stellvertretenden Landräte Josef Seidl und Johann Leipold nahmen daran teil, die Fraktionssprecher Josef Haselbeck (CSU), Hans Weinzierl (Freie Wähler), Peter Barteit (SPD), Michael Vogt (Bündnis 90/Grüne) und Lorenz Heilmeier (ÖDP), Bürgermeistersprecher Fritz Wittmann (Markt Essenbach) und sein Stellvertreter Hans Bauer (Markt Ergolding).
Gemeinsam mit den Ministerialbeauftragten für die Realschulen und die Gymnasien Niederbayerns, Michael Wagner und Klaus Drauschke, sowie einem Vertreter des Kultusministeriums, Oberregierungsrat Bernhard Puell, beleuchteten die Kommunalpolitiker das Thema aus allen möglichen Perspektiven: Der Bestand einer neuen Schule, so war man sich einig, sollte für mindestens 20 Jahre gesichert sein, besser noch für 30 Jahre.
Wie entwickeln sich die Geburtenraten, wie sieht es mit der Zuwanderung in den Landkreis Landshut aus, wie insgesamt mit den Übertrittsquoten auf weiterführende Schulen, was werden die nächsten, bereits absehbaren Änderungen im bayerischen Schulsystem sein? Alle diese Fragen wurden angeschnitten und gewichtet. Und es wurde im Rahmen einer gut zweistündigen Diskussion auch angeführt, dass die Planungen der Stadt Landshut und der Nachbarlandkreise mit einbezogen werden müssen in die Überlegungen.
Keine Frage: Die derzeitige Datenlage bietet keine solide Grundlage für eine Entscheidung Pro oder Contra "drittes Landkreis-Gymnasium". Und noch etwas wurde deutlich: Besonders viele Unwägbarkeiten bringt die Einführung des achtjährigen Gymnasiums mit sich – wie es sich auf künftige Schülerzahlen in einem geburtenschwachen Land auswirkt, ist in höchstem Maße unklar.
In allen diesen Punkten herrschte Einigkeit in der Runde aus Schulexperten und Kommunalpolitikern, die in der Verantwortung stehen. Aber ebenso große Übereinstimmung erzielte man bei dem Resümee, das die Kreispolitiker am Ende der Beratungen zogen: Die Informationsgrundlage sei ungenügend, ja manchmal diffus – aber gleichwohl werde man den Plan für ein drittes Gymnasium auf dem Boden des Landkreises Landshut weiter verfolgen: zu wichtig sei es, den jungen Landkreis-Bürgern die bestmöglichen Ausbildungschancen zu eröffnen, so der einhellige Tenor der Stellungnahmen der Kommunalpolitiker.
Eine Entscheidung werde man freilich nur auf einer soliden Daten-Grundlage treffen: Eine Bestandsaufnahme und Prüfung aller Fakten und die Überprüfung der Tragfähigkeit von Prognosen sollen im nächsten Jahr die Basis dafür schaffen, dass man eine Entscheidung treffen kann – gemeinsam, ausschließlich aufgrund sachlicher Erwägungen und zum Wohle aller Bürger und der Zukunft des Landkreises Landshut.
Quelle: Elmar Stöttner - Landratsamt Landshut
Teilnehmer am "runden Tisch" in der Frage eines "dritten Landkreis-Gymnasiums", von links: Fritz Wittmann, Hans Bauer, Hans Weinzierl, Johann Leipold, Landrat Josef Eppeneder, Josef Haselbeck, Michael Vogt, Peter Barteit und Lorenz Heilmeier.
Landkreis Landshut, 14.01.2009: Ein klares Ergebnis brachte die LZ-Umfrage vom Samstag zu Tage. Wir wollten von unseren Lesern wissen, ob sie für oder gegen ein neues Gymnasium im Landkreis Landshut sind. Zwischen Samstag und Sonntag gingen 1257 Anrufe bei der Hotline ein.
Dabei votierten 948 Anrufer - das sind 75 Prozent - für eine neues Gymnasium im Landkreis. Lediglich 25 Prozent sind gegen ein neues Gymnasium. Die Umfrage zeigt, wie deutlich sich die Bürger in Stadt und Landkreis ein neues Gymnasium wünschen. Die Redaktion bedankt sich für die Teilnahme.
Quelle : Landshuter Zeitung
Landkreis Landshut, 20.01.2009: Die Fraktionsspitze der CSU im Kreistag hat ihre Meinung nicht geändert und steht nach wie vor geschlossen hinter dem Bau eines weiteren Gymnasiums im Raum Landshut. "Ein neues Gymnasium ist unserer Meinung nach wichtig und notwendig, um die seit Jahren angespannte Situation an allen fünf Gymnasien in der Region endlich zu entlasten", sind sich CSU-Fraktionssprecher im Kreistag, Hans Bauer, seine Stellvertreter Anna Wolfsecker, Hans Keil und Florian Ossner sowie Birgit Schäffer von der Jungen Liste und Toni Deller von der FDP bei einem Gespräch mit der Landshuter Zeitung einig.
Seit dem einstimmigen Votum im Kreistag am 31. März 2008 für einen Neubau hat sich für Hans Bauer die grundsätzliche Situation nicht verändert. Deshalb wundert sich der CSU-Fraktionsvorsitzende über den nicht nachvollziehbaren Meinungswechsel. Es habe sich gezeigt, dass die vom Landkreis in Auftrag gegebene Studie aus dem Jahr 2005 die Schülerzahlen bis zum Jahr 2008 nicht annähernd richtig vorhergesagt hat. Nun beziehe man sich auf die Fortschreibung dieser Studie, die in der aktuellen Version ihre alten Zahlen habe korrigieren müssen.
Es sei völlig unverständlich, wie man sich alleine auf dieses Institut beziehen könne und glaube, sich damit über die fachliche Prüfung des Ministeriums hinwegsetzen zu müssen, meinen die sechs Gesprächsteilnehmer unisono. Die vorhergesagten Geburtenzahlen für das Jahr 2008 stimmen ebenfalls nicht. Es sollten 1254 Geburten ein, tatsächlich waren es bis November bereits 1262 ohne Zuwanderung.
Die Standortfrage ist für die Befürworter sekundär: "Hauptsache, es wird gebaut, notfalls auch in Landshut", betont Toni Deller. "Es geht um die Bildungschancen für alle Kinder", dies habe sich fast jede Partei im Wahlkampf auf ihre Fahnen geschrieben, erklärt Florian Ossner und Hans Keil sowie Birgit Schäffer, die selbst zwei kleine Kinder hat, nicken beipflichtend. Dass zunächst die Standortfrage diskutiert wurde und Bürgermeister und Standortkreisräte einer "Neidhammelpolitik" verfallen sind, ist ein falscher Zug gewesen. Es dürfe nicht der eigene Vorteil greifen, sondern es geht darum, dass man ein neues Gymnasium brauche.
Man könne nach neuesten Richtlinien und neuen technischen Fortschritten ein lichtdurchflutetes Gebäude für die Schüler schaffen, schwärmt Ossner von einem "optimalen" Gymnasium. Diese Chance dürfe man sich nicht entgehen lassen.
Die bestehenden Gymnasien waren alle ursprünglich kleiner konzipiert, mittlerweile haben sie sehr viele beziehungsweise zu viele Schüler und könnten eine Fluktuation nach unten vertragen, ohne im geringsten gefährdet zu sein. Dieses Ängste-Schüren sei völlig unberechtigt. In Mammutschulen leide auch die Lernfähigkeit der Kinder.
Anna Wolfsecker, die immer eine Befürworterin eines neuen Gymnasiums war, hat die Äußerung von Ministerialbeauftragtem Drauschke besonders beeindruckt: 50 Prozent der Realschüler hätten das Potenzial, in ein Gymnasium zu gehen. Wenn nur zehn Prozent die Möglichkeit nutzen würden, brauche man sich um Schülermangel keine Sorgen zu machen.
Die Argumentation von Landrat Josef Eppeneder, die Engpässe mit den Gymnasien in Furth und Seligenthal zu beheben, ist für die sechs Kommunalpolitiker nicht nachvollziehbar, da Freistaat und Gemeinden unabhängig vom Privatschulangebot ein ausreichendes Angebot an gymnasialen Plätzen bereitstellen müssten. Der Staat könne keine Schüler an private Schulen, an denen Schulgeld bezahlt werden müsse (in Furth sind es 30 und in Seligenthal 40 Euro pro Monat), zuweisen, erklärt Hans Keil. Da werde dann der Landkreis wohl mit bis zu 500000 Euro pro Jahr in die Bresche springen müssen, vermutet Hans Bauer.
"Wenn wir - was wohl ein einmaliger Vorgang wäre - die bereits erfolgte Zusage für den Bau eines neuen Gymnasiums ablehnen, entscheiden wir uns zum einen gegen optimale Bildungsbedingungen für unsere Kinder. Zum anderen bedeutet das, auf einen Staats- und wohl auch Bundeszuschuss zu verzichten und der Wirtschaft einen Auftrag zu entziehen", ist man sich einig. Ein neues Gymnasium stelle einen wichtigen Schritt für die Zukunft des Landkreises dar.
Quelle : Gabi Lössl - Moosburger Zeitung
Landkreis Landshut, 16.01.2009: Die Debatte um ein drittes Gymnasium im Landkreis scheidet die Geister. Während die Landkreisspitze (Landrat Eppeneder und seine vier Stellvertreter) bei einem Pressegespräch am Mittwoch ihre ablehnende Haltung unterstrichen haben, sind die beiden Landtagsabgeordneten Gertraud Goderbauer und Hubert Aiwanger vehement dafür.
Gertraud Goderbauer macht sich seit langem für ein weiteres Gymnasium stark. Seit zweieinhalb Jahren beschäftigt sie sich mit dem Thema und ist nach eigener Überzeugung zu dem Schluss gekommen: Wir brauchen ein neues Gymnsaium". Mit dieser Aussage ist sie vergangenes Jahr auch in den Wahlkampf gegangen und seitdem hat sich für Goderbauer nichts geändert.
Wie sich Meinungen doch ändern können: Am 31. März 2008 hatte zunächst der Kreisausschuss mit 13:0-Stimmen den Antrag auf Errichtung eines landkreiseigenen Gymnasiums befürwortet, ebenso eindeutig war das Votum in der nachfolgenden Kreistagssitzung, als die Abstimmung 52:0 lautete.
Die Übertrittsquote auf die Gymnasien spricht nach Meinung Goderbauers ebenfalls eine deutliche Sprache: In der Stadt Landshut liegt sie nach ihren Recherchen bei 44 Prozent, im Landkreis bei 28 und bayernweit bei 35 Prozent.
Der Brief aus dem Kultusministerium (liegt der Redaktion vor) vom 17. Dezember hätte eigentlich die Befürworter eines dritten Gymnasiums positiv stimmen lassen. Darin heißt es unter anderem: "Die angespannte gymnasiale Situation in Landshut kann nicht durch eine Optimierung der bestehenden Strukturen, sondern nur duch eine gymnasiale Neugründung verbessert werden".
Dies gelte auch unter Berücksichtigung der Überlegungen des Maristen-Gymnasiums und des Gymnasiums der Schulstiftung Seligenthal. Aufgrund der vorliegenden Informationen könne dabei nicht von einer nachhaltigen entlastungswirkung im Raum Landshut ausgegangen werden.
Zu beachten ist in diesem Fall auch, dass seitens der staatlichen Stellen eine Schülerzuweisung an private Gymnasien nicht möglich ist. Selbst wenn ein privater Träger Kapazitäten erweitern oder zusätzliche Angebote unterbreiten würde, bleibe die Verpflichtung von Staat und Gemeinden unberührt, die schulische Verordnung sicherzustellen.
Quelle : Gabi Lössl - Moosburger Zeitung
Landshuter Zeitung 14.01.2009 Landkreis Landshut. Die Entscheidung über die Zukunft der Gymnasien in der Region Landshut naht. Sie fällt noch in diesem Monat. Deswegen hielt die Kreistags-Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen eine Sitzung ab, die hauptsächlich diesem Thema gewidmet war. Daneben ging es um den Haushalt und die Parkplatzsituation am Krankenhaus Vilsbiburg.
Eine Informationsveranstaltung für Fraktionssprecher brachte laut Kreisrat Michael Vogt keine wesentlich neuen Erkenntnisse. Die Bereitschaft der beiden kirchlichen Schulen in der Region, zusätzlich Schüler aufzunehmen, war schon bekannt. Dazu seien Erweiterungsbauten nötig. Da die Grünen jedoch überdimensionierte Schulen ablehnen, hält die Kreistagsfraktion an einem Neubau fest.
Rosi Steinberger betonte, dass es hier nicht vornehmlich um eine Notlage gehe, die durch ein paar zusätzliche Klassenräume zu beheben sei. Zur Diskussion stehe vielmehr, welche Bildungspolitik zukünftig im Landkreis umgesetzt werden solle. Dabei gelte es, sowohl die individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse der Kinder zu berücksichtigen als auch, diejenigen Fachleute auszubilden, welche eine zukunftsfähige Industrie- und Wissensgesellschaft benötige.
Der Landkreis schöpfe dabei sein Potential nicht genügend aus, wie man an der niedrigen Besuchsquote der Gymnasien erkenne. Große Empörung herrschte bei den Grünen über den örtlichen Bundestagsabgeordneten Götzer.
"Wenn ein Bundestagsabgeordneter höhere Übertrittsquoten für Romantik und Ideologie hält, sei das ein Zeichen von unzeitgemäßem Elitedenken", meinte Steinberger.
"Die Attraktivität der Gymnasien wird noch gesteigert, wenn dort die Überfüllung beseitigt ist", meinte Gisela Floegel. Rosi Steinberger verwies auf das Beispiel Kirchseeon, wo nach Fertigstellung eines Neubaus anstatt vier nun sechs Eingangsklassen gebildet werden mussten, weil der Andrang alle Erwartungen übertroffen hatte.
Vogt wies darauf hin, dass rund 50 Prozent der Realschüler auch auf dem Gymnasium erfolgreich wären. Dass 43 Prozent der Studierenden ihre Hochschulreife nicht über das Abitur erlangt hätten, bezeichnete Vogt als "Versagen des dreigliedrigen Schulsystems", weil da die Ausnahme zur Regel werde. Die Grünen können sich vorstellen, dass ab diesem Schuljahr der Aufbau des neuen Gymnasiums in der Seligenthaler Straße beginnen könne. In drei Jahren solle dann der Umzug in den Neubau in Ergolding erfolgen.
Neben den Kosten für den Landkreis müsse man sehen, dass der bayerische Staat etwa zehn Millionen Euro im Landkreis investieren werde und rund 40 neue Arbeitsplätze entstünden. Die Baukosten für den Landkreis sollten längerfristig über Kredite gedeckt werden und nicht binnen fünf Jahren an die Gemeinden durchgereicht werden.
Mit einem völlig anderen Thema beschäftigte sich Kreisrätin Angelika Stumpf. Sie machte auf die Engpässe bei den Parkplätzen rund um das Vilsbiburger Krankenhaus aufmerksam.
Mit Fertigstellung der Krankenpflegeschule müsse eine geeignete Fläche zur Verfügung stehen. Die Grünen sprachen sich gegen eine Versiegelung mit einer Teerschicht aus und stellen sich gekieste Stellplätze vor.
Quelle: Landshuter Zeitung