Informationsabend der Grünen zum neuen Erneuerbare-Energien-Gesetz
Vilsbiburg, 22. Januar 2009 ,,Solarstromanlagen sind seit Anfang des Jahres so lukrativ wie nie zuvor.'' Das war die Botschaft einer gemeinsamen Informationsveranstaltung der Grünen in Stadt und Landkreis im ,,Gsellnhaus". Vor allem der Mittelstand, Handwerks- und Gewerbebetriebe Handwerks- und Gewerbebetriebe profitieren durch das novellierte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) mehr als bisher. Eine noch weitgehend unbekannte, neue Regelung ermöglicht es erstmals, den selbst erzeugten Solarstrom nicht nur zu verkaufen, sondern auch wirtschaftlich selbst zu verbrauchen. Dabei wird der Strom für den Selbstverbrauch ebenfalls nach dem neuen EEG vergütet.
Es spricht derzeit vieles dafür, freie Finanzmittel in Solarstrom zu investieren. Während man davon ausgehen muss, dass der von den Energiekonzernen hergestellte Strom in den nächsten 20 Jahren im Preis wohl weiter steigt, wird der selbst genutzte Solarstrom keinen Cent teurer. Gleichzeitig sinken die Solar-Modulpreise. Somit sei mit einer Verzinsung des eingesetzten Kapitals bis in den zweistelligen Bereich zu rechnen, sagte Rolf Fahle, Geschäftsführer der Solar GmbH in Furth, in der gut besuchten Veranstaltung.
Insbesondere Gewerbe- und Handwerksbetriebe, aber auch größere Büros könnten eine hohe Selbstverbrauchsquote erreichen und damit eine deutlich höhere Wirtschaftlichkeit als nach dem bestehenden EEG erzielen - selbst wenn sich die Vergütung des verkauften Solarstroms nach dem neuen EEG um acht Prozent auf 43 Eurocents/kWh reduzieren wird. Bisher gab es dafür gar nichts. Deshalb musste die Energie komplett ins Stromnetz eingespeist, also vom Erzeuger ,,verkauft" werden. Die neuen Preise seien für 21 Jahre festgeschrieben, erklärte Fahle.
Und ein weiterer Vorteil kommt den Unternehmen umständehalber entgegen: Eine Solaranlage produziert naturgemäß nur bei Tageslicht - also zu eben jener Zeit, in der auch in den Betrieben gearbeitet wird. Dagegen verbrauchen gerade Berufstätige grundsätzlich tagsüber daheim verhältnismäßig wenig Strom und können (oder müssen) folgerichtig mehr überschüssige Energie verkaufen. Bei großen Dachflächen der Betriebe sei im günstigen Fall eine Quote von bis zu 70 Prozent, in Einzelfällen sogar bis zu 100 Prozent denkbar, sagte Fahle. Und auf den jüngsten Gasstreit anspielend: ,,Niemand kann die Sonne hindern, auf unsere Dächer zu scheinen."
Die neue Regelung bedeutet im Endeffekt, dass Bürger, die ihren Strom in Solaranlagen selbst erzeugen, einen über Jahrzehnte hinaus garantierten Strompreis von rund 18 Cent pro Kilowattstunde zahlen: ,,Da können schon jetzt viele Versorger nicht mithalten. Und in den nächsten Jahren werden die Strompreise garantiert nicht sinken", sagte Fahle. Je höher die Energiepreise in den kommenden Jahren klettern, desto größer sei die Wirtschaftlichkeit von Photovoltaikanlagen.
Vilsbiburg und das Vilstal haben gegenüber der Landkreismitte zudem einen kleinen Vorteil, sagte
Kreis- und Stadträtin Gisela Floegel: Hier scheine die Sonne nachweislich länger als im Isartal, das am Morgen gerne im Nebel verharrt. Sie verwies nicht ohne Stolz darauf, dass Stadt und Landkreis Landshut europaweit eine Vorreiterrolle auf dem Gebiet der privaten Solarkraftwerke übernommen hätten.
In Bayern könnten nach Ansicht von Dr. Thomas Gambke, dem wirtschaftspolitischen Sprecher der Grünen, mit der Energiewende 70 000 Arbeitsplätze in kleinen und mittleren Betrieben, vor allem im Handwerk, geschaffen werden. "Gerade die Finanzkrise hat die Solidität von privaten Investitionen in Solarenergie mit seinem festen Vergütungssystem gezeigt. "
Auf der Veranstaltung stellte der Kreisverbandsvorsitzende der Volks- und Raiffeisenbanken, Richard Erhardsberger, Finanzierungsmöglichkeiten von Solaranlagen vor. Laut Erhardsberger rechnen sich Photovoltaikanlagen sogar dann noch, wenn sie komplett per Kredit finanziert wird. Klar ist aber auch hier: Je höher der Eigenanteil, desto lukrativer wird die Anlage. Versicherungsmakler Manfred Körber stellte schließlich noch mögliche Schäden und die dazu passende Versicherung vor.
In der ausführlichen Diskussion ging es vor allem um technische Details. So scheint die Technik des Wechselrichters - dem Gerät, das den produzierten Solarstrom ins öffentliche Netz einspeist - gerne störanfällig. Dies sei aber seinen Erfahrungen nach zum Teil auch herstellerabhängig, sagte Rolf Fahle. Er riet zu einer Garantieverlängerung, die bis zu fünf Jahren angeboten wird.
Quelle: Georg Soller - Artikel aus der Vilsbiburger Zeitung vom 30. Januar 2009
30. Januar 2009 - 14:27 – Günther Sandmeyer