Gentechnik

Gentechnik – Seilschaften „Monsanto – auf Deutsch“

13.12.2009 - 19:00
13.12.2009 - 21:00
Etc/GMT+1


Gentechnik – Seilschaften „Monsanto – auf Deutsch“

Veranstalter Zivilcourage Deggendorf mit seinen Unterstützern
V.i.S.d.P. Helmut Fritsche, Obere Roemerstr. 40, 94527 Aholming

In dem Vortrag von Jörg Bergstedt werden minutiös die Seilschaften zwischen Behörden, staatlicher und privater Forschung, Konzernen und Lobbyorganisationen aufgezeigt.

Es wird klar warum Millionen von Steuergeldern in die Forschung von Agrogentechnik gesteckt werden obwohl 80% der Menschen in Deutschland diese Technik ablehnt.

Der Referent zeigt aber auch auf, wie dem entgegengewirkt werden kann.

Am 13.12.2009 Im Ruderhaus, in Deggendorf - Edlmairstrasse 14
Beginn 19.00 Uhr, Eintritt ist frei

Bauernverband und Gentechnik-Lobby gehen Hand in Hand

Pressemitteilung der Grünen in Niederbayern

Bauernverband und Gentechnik-Lobby gehen Hand in Hand

Kumhausen, 22.10,2009 (RS)Derzeit gibt es eine Postkartenaktion des Bayernverbands, bei der die Landwirtschaftsministerin aufgefordert wird, die Nulltoleranzschwelle bei der Einfuhr von gentechnisch verunreinigten Futtermitteln aufzuheben. Hintergrund ist die Tatsache, dass immer wieder Schiffsladungen mit Soja an europäischen Häfen abgewiesen wurden, weil sie mit gentechnisch veränderten Organismen verunreinigt waren, die in der EU als Futtermittel nicht zugelassen sind.

Der Bauernverband spricht nun von einem ernsthaften Futtermittelnotstand, weil gerade Schweinemäster nicht genügend Eiweißfuttermittel bekommen würden und beschwört gar das Ende der Fleischproduktion in Europa herauf, wenn diese Schwelle nicht sofort aufgeweicht wird.

„Damit hat sich der Bauernverband endgültig als Fürsprecher der bäuerlichen Landwirtschaft disqualifiziert“, sagt Rosi Steinberger, Vorsitzende der Grünen in Niederbayern. Die Bauern sollten sich nicht vor den Karren der Gentechnik-Lobby spannen lassen, denn damit schaufelten sie nur ihr eigenes Grab.

„Von einem Futtermittelnotstand kann überhaupt keine Rede sein“, sagt Steinberger. Die EU führt jährlich 32 Millionen Tonnen Soja ein, wobei der überwiegende Teil aus Südamerika stammt. Beanstandet wurden dieses Jahr insgesamt zehn Lieferungen, zum Teil kleine Mengen von wenigen Pfund bis zu maximal 6.600 Tonnen. Im allerschlimmsten Fall wären es also hochgerechnet maximal 66.000 Tonnen beanstandetes Material. „In Anbetracht der Gesamtmenge kann es somit wohl kaum einen Futtermittelnotstand geben“, bezweifelt Steinberger.

Dazu kommt noch die Tatsache, dass alle beanstandeten Proben nicht aus Südamerika sondern aus den USA kommen. Die dortige Agrarwirtschaft weigert sich seit Jahren hartnäckig, die in der EU gültigen Bestimmungen einzuhalten. In Südamerika, dem Hauptausfuhrgebiet für Soja, gibt es in dieser Hinsicht keine Probleme.

„Sollte die EU diese Nulltoleranzschwelle aufheben, würde unser Markt schleichend mit GVOs kontaminiert“ sagt Josef Rosner, der bei den Grünen in Niederbayern für Landwirtschaft zuständig ist. Damit würde sich die EU endgültig vom Vorsorgeprinzip für die Gesundheit ihrer Bürgerinnen und Bürger verabschieden, das in der EU-Gesetzgebung verankert ist. Die Grünen sagen: Es ist Zeit für ein deutliches Signal an die Agrarwirtschaft der USA: Wer die Märkte der EU beliefern will, muss sich an Europäische Gesetze halten.

Rosi Steinberger - Bezirksvorsitzende
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
__________________________
Dr. Toni Hofreiter, MdB
Bündnis 90/DIE GRÜNEN
Büro Landshut
c/o Steinberger
Rosenweg 12
84036 Kumhausen
0871/464 789
steinberger@toni-hofreiter.de
www.toni-hofreiter.de

weitere PM

Feldversuch Hawaii – Genpflanzen im Freilandtest

Papayas

Hawaii, 50. Bundesstaat der USA, ist nicht nur ein beliebtes Reiseziel. Die Inselkette im Pazifik hat sich seit einigen Jahren zum größten Experimentierfeld für genmanipulierte Pflanzen entwickelt. Während sich Forschungsinstitute auf die Optimierung tropischer Früchte spezialisiert haben, testen hier große Agrar- und Biotechkonzerne neue Grundnahrungsmittel für den Weltmarkt. Mehr als 4.000 Freilandversuche mit transgenen Pflanzen wie Mais und Soja wurden inzwischen durchgeführt. Ungebrochen glauben viele Wissenschaftler, Politiker und Industrievertreter an die fantastischen Möglichkeiten dieser Zukunftstechnologie. Allerdings formiert sich langsam eine Gegenbewegung. Die Dokumentation begleitet Wissenschaftler, die gentechnisch veränderte Pflanzen erproben und zeigt geheime Versuchsfelder, auf denen neue gentechnisch veränderte Pflanzen getestet werden. Außerdem stellt sie Bauern und kritische Wissenschaftler vor, die sich von der Entwicklung auf Hawaii bedroht fühlen.

Erst als im April 2006 bekannt wird, dass auch Taro, die mythische Pflanze der Ureinwohner, gentechnisch verändert und patentiert wurde, entwickelte sich aus dem Widerstand einzelner Aktivisten eine Bewegung. Hunderte von Demonstranten zogen durch die Straßen von Honolulu zum Campus der Universität von Hawaii, um gegen die Patentierung der Taro-Pflanze zu protestieren. Dass Personen oder Firmen eine Pflanze, die bisher allen gehört hat, besitzen und vermarkten können, gilt als Angriff auf die hawaiianische Kultur. Die Dokumentation verdeutlicht, dass auf Hawaii Werte zur Disposition stehen, die die Ureinwohner der Inseln seit Jahrhunderten geprägt haben. Die neuen gentechnisch veränderten Pflanzen vermischen sich mit den einheimischen Arten und breiten sich überall hin aus. Die Entwicklung Hawaiis zum Freilandlabor für die Biotechindustrie ist auch ein Experiment für die Welt. Verlieren die Hawaiianer, könnten alle Menschen viel verlieren. Feldversuch Hawaii, Genpflanzen im Freilandtest.

Sendungen im ZDF-Dokukanal

ZDF Doku, 20.10.2009 18:45 Uhr, Genre "Natur + Umwelt" (45 Minuten)
ZDF Doku, 21.10.2009 16:00 Uhr, Genre "Natur + Umwelt" (45 Minuten)
ZDF Doku, 22.10.2009 11:45 Uhr, Genre "Natur + Umwelt" (45 Minuten)
ZDF Doku, 23.10.2009 01:45 Uhr, Genre "Natur + Umwelt" (45 Minuten)
ZDF Doku, 23.10.2009 14:30 Uhr, Genre "Natur + Umwelt" (45 Minuten)
ZDF Doku, 23.10.2009 17:15 Uhr, Genre "Natur + Umwelt" (45 Minuten)

Giftgrüne Gentechnik - Der Kampf um MON 810

Von Heike Moldenhauer

– „MON 810“ – dieses unscheinbare Kürzel treibt gegenwärtig Landwirte und Lobbyisten auf die Barrikaden. Dahinter verbirgt sich die einzige gentechnisch veränderte Pflanze, die in der EU kommerziell angebaut werden darf.

Der insektenresistente Gentech-Mais des US-Konzerns Monsanto wurde 1997 zugelassen; doch Mitte April 2009 hat ihn Deutschland als sechstes EU-Land nach Österreich, Ungarn, Griechenland, Frankreich und Luxemburg verboten.

Seitdem herrscht hierzulande Gentechnikalarm. Unisono prophezeien sämtliche Wissenschaftsorganisationen, die Verbände der Agro- und Lebensmittelindustrie, Forschungsministerin Schavan, große Teile der Union und die FDP irreparable Schäden für den Wissenschafts- und Innovationsstandort Deutschland aufgrund des Verbots. 1 Und nicht nur das: Sollten die Potentiale der Gentechnik aufgrund „diffuser Ängste“ nicht genutzt werden können, dann fehle das entscheidende Instrument, um die Ernährung für die wachsende Weltbevölkerung zu sichern, dem Klimawandel zu begegnen und die Energiefrage zu lösen.

Was also steckt tatsächlich hinter MON 810? Und warum messen die Protagonisten der Agro-Gentechnik seinem Verbot in Deutschland derartig eminente Bedeutung bei? MON 810 ist mit einem Gen aus dem Bodenbakterium Bacillus thuringiensis (Bt) ausgestattet. Es führt dazu, dass der Mais permanent in allen grünen Pflanzenteilen ein Gift produziert, zudem in Pollen, Samen und Wurzeln. Dieses Gift zersetzt die Darmwand des Maiszünslers, eines Schmetterlings, der als Hauptschädling im Mais auftritt. Seine Raupen bohren sich in die Maisstängel, legen dort Fraßgänge an und verringern dadurch Standfestigkeit und Ertrag der Pflanzen. Anders, als von Monsanto behauptet, wirkt das vom MON 810 gebildete Gift jedoch nicht spezifisch und selektiv.

Es tötet nicht nur den Maiszünsler, sondern schädigt auch sogenannte Nicht-Zielinsekten. Deshalb hat die zuständige Bundesbehörde, das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), MON 810 mit einem Anbauverbot belegt. Die Begründung nennt als betroffene Nicht-Zielorganismen Schmetterlinge wie den Schwalbenschwanz, Lebewesen aquatischer Ökosysteme wie Köcherfliegenlarven und Wasserflöhe, außerdem räuberische Nutzinsekten wie den Zweipunktmarienkäfer. Bei ihnen führt das über den Verzehr von Pollen aufgenommene Gift zu verlängerten Entwicklungszeiten und höherer Sterblichkeit.

Auch ist der Polleneintrag in die umgebende Landschaft wesentlich höher als bisher angenommen und reicht erheblich weiter als bislang vermutet – über zwei Kilometer. Somit kommen weit mehr Insekten mit den Bt-Toxinen in Berührung als zuvor behauptet, und sie sind ihnen in höheren Konzentrationen ausgesetzt. Der Bescheid an Monsanto spricht deshalb zu Recht von einer „Langzeitbelastung auf dem Feld für Nichtzielorganismen.“ 2

Die deutsche Dependance des US-Unternehmens hat daraufhin gegen das Verbot geklagt. Inzwischen haben mit dem Verwaltungsgericht Braunschweig und dem Oberverwaltungsgericht Lüneburg zwei Instanzen bestätigt, dass das vom BVL im Eilverfahren erlassene Anbauverbot noch vor der Maisaussaat gerechtfertigt war. Im Herbst folgt das Hauptsacheverfahren. Es wird abschließend klären, ob die vom BVL angeführten Gründe ausreichen, den MON 810 ein für allemal zu verbieten.

Gefährliche Nutzung

MON 810 wurde bisher ans Vieh verfüttert oder in Biogas umgewandelt. Er ist in Deutschland drei Jahre lang kommerziell angebaut worden, 2006 auf 950 Hektar, 2007 auf 2685 und 2008 auf 3171 Hektar – und damit jeweils auf weniger als 0,2 Prozent der gesamten deutschen Maisanbaufläche. Den Weg dafür ebnete der damalige Landwirtschaftsminister Horst Seehofer Ende 2005 mit der Sortenzulassung, neben der EU-rechtlichen Genehmigung die zweite Bedingung für den Anbau. Für dieses Jahr waren 3596 Hektar Anbaufläche gemeldet, 3 von rund 70 Betrieben, die meisten von ihnen Agrargenossenschaften und in Ostdeutschland gelegen.

Zum Vergleich: Insgesamt gibt es in Deutschland rund 370 000 landwirtschaftliche Betriebe. Das bestätigt das Bild der Vorjahre: Agro-Gentechnik ist vor allem ein ostdeutsches Phänomen. Der Grund liegt in den ostdeutschen Agrarstrukturen. Dort findet man große Betriebe mit großen Flächen, einem hohen Industrialisierungsgrad – und ohne Nachbarn, deren Ernten von Auskreuzungen betroffen sein könnten. Damit entsteht kein Haftungsrisiko. Zudem findet oftmals keine Nutzung eigenen Bodens statt, womit nur eine geringe Bindung an und Verantwortung für die bewirtschaftete Fläche existiert. Noch verstärkt wird dies durch Betriebsleiter und Arbeiter ohne örtliche Verankerung. Schließlich besteht im Vergleich zu Westdeutschland ein geringer sozialer Druck, der auf „Gen-Bauern“ ausgeübt wird. Das alles sind Voraussetzungen, die den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen erheblich begünstigen.

Was aber hat die Landwirte konkret bewogen, MON 810 anzubauen – etliche von ihnen sogar zum wiederholten Mal? Zum einen die von Gentechnik-Unternehmen kräftig geschürte Suggestion, als Pioniere die Landwirtschaft der Zukunft auf deutsche Äcker zu tragen, zum anderen betriebswirtschaftliches Kalkül. Traditionell bekämpfen Landwirte den Maiszünsler, indem sie Maismonokulturen vermeiden und das nach der Ernte auf dem Feld zurückbleibende Maisstroh, die Stoppeln und die Stängel häckseln und unterpflügen. Dadurch verhindern sie, dass die Larven des Schädlings in den Pflanzenresten überwintern und sich stark vermehren. Diese Maßnahmen führen zu einer Verringerung der Schädlingspopulation von 80 bis 98 Prozent. Insektizide werden nur auf knapp zwei Prozent der gesamten deutschen Maisanbaufläche gespritzt; ihre Anwendung ist aufwändig und kompliziert.

All diese Arbeiten auf dem Feld erfordern den Einsatz von Arbeitskräften und Maschinen. Landwirte hingegen, die MON 810 anbauen, ziehen Maiszünsler-Prophylaxe mit Hilfe von Fruchtfolge, Mensch und Maschinen nicht mehr in Betracht. Sie zahlen lieber einen höheren Preis für gentechnisch verändertes Saatgut und vertrauen auf das in den MON 810 eingebaute Insektizid.

Es bleibt jedoch eine offene Frage, ob sich der Anbau von MON 810 tatsächlich rechnet. Die jüngste dazu publizierte Studie vom Sommer 2008 kommt zu dem Schluss, dass er sich erst dann auszahlt, wenn Schädlingsbefall und dadurch ausgelöste Ernteverluste bei konventionellem Anbau sehr hoch sind. 4 Angesichts dieser ökonomischen Unwägbarkeiten, stellt sich umso mehr die Frage, welche Gentechnik-Protagonisten hinter MON 810 stehen. Oder allgemeiner gesprochen: Wer will Agro-Gentechnik und warum?

Geballte Konzernmacht

Sechs multinationale Konzerne teilen sich den Markt für gentechnisch verändertes Saatgut nahezu vollständig auf: Die US-amerikanischen Unternehmen Monsanto, DuPont-Pioneer und Dow AgroScience, Syngenta mit der Firmenzentrale in der Schweiz und die deutschen Unternehmen BASF Plant Science und Bayer Crop Science. Alle sind ihrer Herkunft nach Chemieunternehmen, alle produzieren in großem Stil Agro-Chemikalien. Unter den Top Ten dieser Sparte belegen sie die Plätze eins bis sechs. Den Großteil ihres Umsatzes und ihrer Gewinne erwirtschaften sie in diesem Bereich. Selbst Monsanto erzielte im Geschäftsjahr 2007 58 Prozent seiner Umsätze mit Agrochemie und „nur“ 42 Prozent mit Saatgut, obwohl der Konzern bei transgenen Saaten mit einem Anteil von knapp 90 Prozent eindeutiger Weltmarktführer ist.

Mittlerweile verfolgen alle „six gene giants“ eine ähnliche Firmenstrategie, nämlich die von Monsanto: Sie alle kaufen rund um den Globus Saatgutfirmen auf und übernehmen damit langsam, aber sicher die Kontrolle über das kommerziell gehandelte Saatgut; gentechnisch verändertes ebenso wie konventionelles.

Daneben besteht ein nichtkommerzieller Saatgutmarkt, das heißt, Landwirte behalten einen Teil ihrer Ernte für die nächste Anbausaison zurück oder sie tauschen untereinander Saatgut. Das gesamte Volumen des Saatgutmarkts wird auf 50 Mrd. US-Dollar, der kommerzielle Anteil auf 30 Mrd. US-Dollar geschätzt. Monsanto, seit 2005 das größte Saatgutunternehmen der Welt, hält hier einen Marktanteil von fast 25 Prozent.

Alle sechs Großkonzerne gehen strategische Partnerschaften ein und schließen Kooperationsabkommen – verteilt über alle Kontinente, zumeist mit staatlichen Forschungsinstituten und Universitäten, oftmals untereinander. So kooperieren fast alle Unternehmen miteinander (einzige Ausnahme: Monsanto und Pioneer), entweder durch gemeinsame Projekte oder dadurch, dass sie sich gegenseitig Lizenzen oder den Zugriff auf Technologien oder Produkte gewähren. So schließt sich das bestehende Oligopol immer enger zusammen. Außerdem verfolgt jeder Konzern für sich Projekte mit öffentlichen Institutionen und forciert auf diese Weise die Verflechtung von Wissenschaft und Wirtschaft. Damit wird die Unabhängigkeit der Forschung in diesem wichtigen Bereich zunehmend in Frage gestellt.

Die Großkonzerne propagieren eine Landwirtschaft, deren Vorbild die industrielle Produktion ist, das heißt der jährlich wiederkehrende Anbau ein und derselben Feldfrucht auf großen Flächen, unter übermäßigem Einsatz von Kunstdüngern und Spritzmitteln, bei gleichzeitiger Senkung der Produktionskosten durch Einsparung von Arbeitskräften, Treibstoff und Maschinen. Dafür entwickeln sie gentechnisch veränderte Pflanzen.

Sie alle haben nahezu dieselbe Produktpipeline und werden in den nächsten Jahren vorrangig weitere Varianten der Pflanzen auf den Markt bringen, die sie bereits seit 1996 anbieten (dem Beginn der Kommerzialisierung transgener Sorten): Soja, Mais, Raps und Baumwolle, die Resistenzen gegen Herbizide oder Insekten, vor allem aber kombinierte Resistenzen aus beiden Ansätzen tragen. Die sechs Multis eint ein Interesse: die Absicherung ihres Kerngeschäfts, der Verkauf von Agro-Chemikalien. Deshalb kopieren sie allesamt das von Monsanto in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelte Modell, herbizidresistente Pflanzen im Doppelpack mit dem dazugehörigen Herbizid zu verkaufen. Und sie kreieren, passend zu firmeneigenen Spritzmitteln, das entsprechende Saatgut-Pendant.

Dafür haben sie alle eine annähernd gleiche PR-Strategie: Ob Welthunger, Klimawandel oder Energiefrage – Gentechnik ist in ihrer Propaganda das Mittel zur Lösung der Probleme der Menschheit im 21. Jahrhundert. 4 Die Konzerne lassen sich in großem Umfang Pflanzengene, transgene und zunehmend auch konventionell gezüchtete Pflanzen patentieren und eignen sich damit Saatgut, Pflanzen, deren Nachkommen sowie die daraus gewonnenen Produkte an.6 Ihr Ziel liegt auf der Hand: die Herrschaft über die Grundlagen der Ernährung und damit über die Grundlagen des Lebens. Oder, prosaischer formuliert: Marktbeherrschung, Ausschaltung von Konkurrenz und Wettbewerb, Preisdiktate sowie das Ende der Unabhängigkeit von Bauern und Züchtern.

Hemmschuh Gentech-Widerstand

Warum das Anbauverbot von MON 810 in Deutschland diese Firmenstrategie so sehr erschüttert, verdeutlicht ein Blick in die Geschichte der Gentechnik in Europa. Alle Gentechnik-Firmen haben den Widerstand gegen ihre Produkte völlig unterschätzt. Zwar sind gentechnisch veränderte Pflanzen seit 1996 auch in der EU zugelassen und gelangen über Importe auch auf hiesige Märkte, bei Gentech-Soja sogar in einem Volumen von über 30 Mio. Tonnen pro Jahr. Das Soja wandert ins Tierfutter, nur Landwirte erhalten die Information über die gentechnische Veränderung, die Verbraucher, die tierische Produkte wie Milch, Fleisch und Eier kaufen, jedoch nicht.

Gentechnik hat in der EU nur deshalb eine Chance, weil sie für Verbraucher unsichtbar bleibt. Von Akzeptanz oder wenigstens Gewöhnung und stillschweigender Duldung kann auch nach 13 Jahren keine Rede sein. Dass Deutschland als sechstes EU-Land in Folge MON 810 verboten hat, zeigt den Gentech-Unternehmen überdeutlich: Sie kommen nicht nur nicht voran, sondern erleiden Rückschläge. Lediglich in Spanien wird in nennenswertem Ausmaß MON 810 angebaut, 2009 auf etwa 75 000 Hektar. Damit wachsen auf weniger als 0,1 Prozent der EU-Ackerfläche gentechnisch veränderte Pflanzen.

Mit anderen Worten: Für die sechs großen Agro-Gentechnik-Unternehmen geht es nicht nur darum, ob in Deutschland auf einigen tausend Hektar gentechnisch veränderter Mais wächst oder nicht. Sondern es geht um ihr Geschäftsmodell als solches – und darum, ob sie es in der EU als bedeutendstem Agrarmarkt der Welt durchsetzen können oder nicht. Denn was im größten Mitgliedsstaat und einem der wichtigsten Agrarländer der Union geschieht, strahlt auf die ganze EU aus. Wenn Deutschland als politisches Schwergewicht einen gentechnik-skeptischen Kurs fährt, dann schmälert das die Chancen ganz erheblich, die umstrittenen Saaten zukünftig auf Europas Äckern auszusäen.

Die Konzerne sind sich der enormen Symbolkraft bewusst, die im Verbot von MON 810 steckt. Wenn die erste und einzige in der EU zum kommerziellen Anbau zugelassene Pflanze als Umweltsünderin ausgewiesen ist, dann sehen sich die EU-Bürger und Bürgerinnen in ihrer Skepsis bestätigt, die sie der Gentechnik entgegenbringen. Damit steht in Frage, ob der MON 810 die nach EU-Recht nach zehn Jahren zu erneuernde Zulassung erhält, dann sind die Schwächen des EU-Zulassungsverfahrens offenkundig, nach dem der MON 810 geprüft und für sicher befunden wurde.

Zugleich ist der Ruf der Zulassungsbehörden angekratzt, die dem MON 810 Unbedenklichkeit attestiert haben. Und damit sinkt auch die Wahrscheinlichkeit, dass die nächsten insektenresistenten Maislinien, deren Zulassung die EU-Kommission derzeit bereits vorantreibt, eine Anbaugenehmigung erhalten. Denn warum sollten die mit ähnlichen Eigenschaften wie MON 810 ausgestatteten Linien Bt 11 von Syngenta und 1507 von Pioneer weniger problematisch für Zielinsekten sein?

Für die Gentechnik-Unternehmen ist also klar: Es geht im Falle von MON 810 nicht um eine Petitesse, es geht ums Eingemachte.

Eigennützige Wissenschaft

Wie aber erklärt sich, dass nach dem Anbauverbot alle maßgeblichen deutschen Wissenschaftsvereinigungen in einem offenen Brief umgehend schwere Vorwürfe gegenüber dem BVL erhoben haben? Ohne sich überhaupt mit den Argumenten auseinanderzusetzen oder gar abzuwarten, zu welchem Ergebnis die von Monsanto angerufenen Gerichte abschließend kommen, steht für die Wissenschaftsvereinigungen heute bereits fest: Das Verbot werde „den Trend verstärken, […] mit einer Zukunftstechnologie irrational umzugehen und dadurch irreparable Schäden für den Standort Deutschland herbeizuführen.“7In die gleiche Kerbe schlägt ein wenig später veröffentlichtes gemeinsames Memorandum von DFG und DLG.8 Die wichtigste deutsche Wissenschaftsorganisation bricht im Verein mit einem der wichtigsten Lobbyverbände der industriellen Landwirtschaft eine Lanze für die Agro-Gentechnik und fordert günstige Rahmenbedingungen für die Gentechnikforschung in Deutschland.

Woher rührt der aufgeregte Ton, den die Wissenschaftsorganisationen anschlagen? Warum folgen sie nicht der Argumentation von Landwirtschaftsministerin Aigner, beim Verbot von MON 810 handle es sich um eine Einzelfall-, keinesfalls um eine Grundsatzentscheidung zur Zukunft der Agro-Gentechnik in Deutschland?

Die Antwort ist einfach: Weil es für sie um die Sicherung von Pfründen und Privilegien geht. Bei etlichen der in den Wissenschaftsorganisationen zusammengeschlossenen Forscher sind eigene Interessen berührt: Ihre Arbeiten im Bereich der Agro-Gentechnik werden aus öffentlichen Mitteln finanziert, vielfach haben sie sich spezialisiert und ihre Karrieren auf diese Art der Forschung gegründet. So fließen Fördermittel etwa in irreführend als „Sicherheitsforschung“ etikettierte Projekte.

Das Bundesforschungsministerium finanziert eine Vielzahl von Arbeiten, die den unkontrollierten Gentransfer mit Hilfe gentechnischer Methoden begrenzen sollen – Forschung also, die ein Beitrag zur Produktentwicklung ist. Denn von Pflanzen, die ihre gentechnisch vermittelten Eigenschaften in geringerem Maße auf Kreuzungspartner, seien es Kulturpflanzen oder Wildpflanzen, übertragen, profitieren hauptsächlich Unternehmen, die ihre Pflanzen kommerziell vermarkten wollen und sich deshalb gefordert sehen, den Gentransfer zu begrenzen.

Erhebliche staatliche Fördermittel fließen auch in Projekte, in denen die Grenzen von Wissenschaft und Wirtschaft verschwimmen. Dabei werden staatliche Einrichtungen gemeinsam mit Unternehmen wie der BASF Plant Science oder Bayer Crop Science für ihre Forschung im Bereich der Agro-Gentechnik mit Millionensummen bedacht. Das bedeutet, der Staat kommt über die Haushalte des Bundesforschungsministeriums und der Bundesländer für die gemeinsam mit öffentlichen Institutionen betriebene Forschung auf, nicht die Unternehmen selbst. Dabei sind die Projektpartner sogar verpflichtet, Patente anzumelden; die Patente liegen allerdings beim Zuwendungsempfänger, sprich: bei den beteiligten Unternehmen, den Instituten und womöglich bei den Forschern. Damit profitieren Forscher über Patente und deren Verwertung finanziell möglicherweise ganz erheblich von ihrer Arbeit im Bereich der Gentechnik, obwohl ihre Forschung mit Steuermitteln finanziert wird.9

Was aber hat die Gesellschaft von dieser öffentlich finanzierten Forschung? Wie ist zu rechtfertigen, dass hunderte Millionen von Steuermitteln in eine gesellschaftlich nicht akzeptierte Technologie fließen? Auf Fragen wie diese folgt stets der Verweis auf die in Artikel 5, Absatz 3 des Grundgesetzes gewährte Forschungsfreiheit. Forschungsfreiheit also als das Recht, frei an den Bedürfnissen der Gesellschaft vorbei zu forschen. Diesen Anspruch sehen die Wissenschaftsorganisationen durch das Verbot von MON 810 offenbar massiv bedroht.

Protektionistische Politik

Der zwischen Union und SPD im Herbst 2005 geschlossene Koalitionsvertrag sagt es kurz und knapp: Forschung und Anwendung der Grünen Gentechnik in Deutschland sollen befördert werden. In diesem Geist hat die Bundesregierung das Gentechnikgesetz novelliert. Es erleichtert Forschungseinrichtungen und Firmen, Gentech-Pflanzen experimentell zu erproben, und Bauern, sie kommerziell anzubauen.

Die für Agro-Gentechnik wichtigsten Ministerien sind Landwirtschaft, welches die Federführung innehat, Forschung sowie Umwelt mit den Ressortchefs Ilse Aigner (CSU), Annette Schavan (CDU) und Sigmar Gabriel (SPD). Nach dem Anbauverbot von MON 810 stellt sich die Lage so dar: Ilse Aigner hat an Profil gewonnen, Annette Schavan schäumt und Sigmar Gabriel hat sich an die Seite seiner Landwirtschaftskollegin gestellt. Die Risse gehen somit quer durch die Unionsfraktion, während zwischen SPD und CSU relative Einigkeit besteht. Die Union hingegen hat leidenschaftliche Gentechnikbefürworter in ihren Reihen und trifft sich darin wiederum mit der FDP.

Politisch führt die Gespaltenheit der Bundesregierung oftmals zum Patt. So hat Ministerin Aigner zwar MON 810 verboten, die gentechnisch veränderte Stärke-Kartoffel Amflora der BASF, die in Deutschland experimentell erprobt wird, aber nicht. Aufgrund dessen ist Deutschland auf EU-Ebene für seine ständigen Enthaltungen berüchtigt, die es bei nahezu allen Entscheidungen zur Agro-Gentechnik übt.

Eine der leidenschaftlichsten und neben der Kanzlerin die wohl exponierteste Fürsprecherin der Agro-Gentechnik in der CDU ist Forschungsministerin Schavan – und über die Mittel aus dem Forschungsetat auch ihre größte Unterstützerin. „Ohne Gentechnik geht es nicht“, behauptete sie unlängst in einem Grundsatzartikel für die „Financial Times Deutschland“.10 Denn nur mit ihrer Hilfe würden Pflanzen geschaffen, die dem Klimawandel trotzen, durch ihren hohen Ertrag den Welthunger bekämpfen und außerdem die Energieversorgung sichern. Woher sie die Gewissheit nimmt, dass Gentechnik klassischer und biologischer Züchtung überlegen sein soll, verrät die Ministerin nicht.

Genauso wenig, wann mit den angekündigten Wunderpflanzen zu rechnen ist. Damit agiert sie, als sei sie der PR-Abteilung eines der sechs großen Gentechnik-Unternehmen entsprungen. Denn auch diese beschwören unablässig die Potentiale der Gentechnik für die Lösung der ganz großen Probleme der Menschheit im 21. Jahrhundert. Auf diese Weise reduzieren sie die Debatte um die Sicherung der Welternährung und um Maßnahmen gegen den Klimawandel allein auf die Pflanzengenetik, so als liege der Schlüssel im gentechnisch veränderten Pflanzengenom – und nicht viel stärker in angepassten Technologien und ökologischen Verfahren, wie es der Weltagrarrat fordert.

Der 2003 gegründete Weltagrarrat ist ein Pendant zum Weltklimarat. Er wurde von mehreren UN-Organisationen und der Weltbank ins Leben gerufen. Ihm gehören 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an, die von Regierungen, Industrie und Umweltverbänden ausgewählt werden. Seine Aufgabe besteht darin, Empfehlungen zur Zukunft der Landwirtschaft abzugeben. Darin favorisiert er eindeutig eine von Bauern und Bäuerinnen, nicht von der Agrarindustrie getragene Landwirtschaft, in die wieder mehr traditionelles und lokales Wissen einfließt, und die ihren Bedürfnissen entsprechende Pflanzen hauptsächlich für heimische Märkte entwickeln und anbauen.11

Die Bundesregierung schweigt den Bericht beharrlich tot. Forschungsministerin Schavan trägt zudem maßgebliche Verantwortung für die Missstände der Agro-Gentechnik-Forschung in Deutschland. Sie verhindert einen transparenten Haushalt, aus dem klar hervorgeht, welche Projekte welcher staatlichen Einrichtungen oder Wirtschaftsunternehmen in welcher Höhe gefördert werden. Außerdem verhindert sie eine Evaluation dieser Forschung. Welche Ergebnisse erzielt worden sind, welche Produkte entwickelt wurden, welche Erfolge und Misserfolge die Forschung gezeitigt hat – all dies wird nicht systematisch ausgewertet. Eine Kosten-Nutzen-Analyse der aufgewendeten Mittel findet nicht statt. Und vielleicht das schlimmste ihrer Versäumnisse: Durch das geradezu sture Insistieren auf lediglich eine Technologie und die entsprechende Bindung von Forschungsmitteln erhalten andere Ansätze kaum eine Chance. Was konventionelle und biologische Pflanzenzüchtung leisten kann, ob sie der Gentechnik möglicherweise überlegen ist – die Forschungsministerin will es nicht wissen.

Dieses Desinteresse spiegelt auch der von ihr nach dem Anbauverbot von MON 810 einberufene „Runde Tisch“ zur Zukunft der Agro-Gentechnik. Von 24 Teilnehmern sind gerade einmal sechs den Kritikern zuzurechnen. Das Ziel der Treffen ist zudem nicht definiert. Vermutlich geht es primär um die Beruhigung der eigenen Klientel bis zur Bundestagswahl. Eine dann mögliche schwarz-gelbe Mehrheit würde das entsprechende Kapitel im Koalitionsvertrag vermutlich mit „Grünes Licht für die Grüne Gentechnik“ überschreiben – und mit großer Wahrscheinlichkeit in einer der ersten Amtshandlungen das Anbauverbot von MON 810 aufheben. Was allerdings auch dazu führen würde, den inzwischen ausgesprochen kampferprobten Widerstand gegen die Agro-Gentechnik in Deutschland neu zu beflügeln.

Der Kampf geht weiter

Nach 30 Jahren Forschung und 13 Jahren kommerzieller Nutzung der Agro-Gentechnik ist die Bilanz ernüchternd. Der großflächige Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen konzentriert sich auf sechs Länder: die USA, Argentinien, Brasilien, Kanada, China und Indien. Die Pflanzen wachsen laut Industrieangaben auf inzwischen 125 Mio. Hektar, das heißt auf etwa 8 Prozent der weltweiten Ackerfläche oder auf 2,5 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche der Erde.

Dabei werden immer noch überwiegend vier Pflanzenarten mit zwei gentechnisch vermittelten Eigenschaften angebaut: Soja, Mais, Baumwolle und Raps, die Herbizid- oder Insektenresistenzen oder eine Kombination aus beiden Eigenschaften tragen. Auch die Pflanzen, die in den kommenden Jahren Marktreife erlangen werden, besitzen Resistenzen gegen ein oder mehrere Insekten oder Herbizide, oftmals in Kombination.

Die Gesundheitsrisiken, die von diesen Pflanzen ausgehen, sind weiterhin völlig ungeklärt. Alle bisher beobachteten negativen gesundheitlichen Effekte an Versuchstieren lassen sich zwei Kategorien zuordnen: Beeinträchtigung der Fortpflanzung (weniger und weniger robuste Nachkommen) und Schädigung innerer Organe bzw. des Immunsystems. Sowohl insekten- als auch herbizidresistente Pflanzen schädigen die Umwelt. Bt-Pflanzen beeinträchtigen Nicht-Zielorganismen, der breite Herbizideinsatz beim Anbau herbizidresistenter Pflanzen führt dazu, dass Unkräuter zunehmend Resistenzen entwickeln und mit immer größeren Mengen an Spritzmitteln bekämpft werden.

Demgegenüber hat sich kein einziges Versprechen der Gentechnik als haltbar erwiesen. Erstens: Der Welthunger ist nicht besiegt, denn Gentech-Pflanzen wandern ins Tierfutter oder in die Tanks der reichen, zahlungskräftigen Länder. Zweitens: Gentechnik sorgt nicht für höhere Erträge – bei Soja liegen sie niedriger, bei Mais und Baumwolle auf dem Niveau konventioneller Sorten. Und drittens: Gentechnik führt nicht dazu, dass weniger Spritzmittel eingesetzt werden. In Argentinien, das auf rund 18 Mio. Hektar gentechnisch veränderte Soja anbaut, werden inzwischen 200 Mio. Liter Glyphosat (Wirkstoff des Herbizids, mit dem die Sojakulturen besprüht werden) gespritzt. Seit 1996 stieg die mit gentechnisch veränderter Soja bestellte Fläche um das 35fache und der Glyphosateinsatz um das 56fache.

Wie es mit der Agro-Gentechnik weitergeht, hängt entscheidend davon ab, ob noch zu schaffende gesetzliche Regelungen die Interessen der Konzerne oder die der Gesellschaft schützen. Entscheidend wird sein, ob das Patentrecht ausgeweitet oder eingeschränkt und ob Patentschutz auch auf konventionell gezüchtete Pflanzen und Tiere sowie auf konventionelle Züchtungsverfahren gewährt wird – oder ob Patentansprüche auf gentechnisch veränderte Pflanzen, Tiere sowie isolierte Gene und Gensequenzen begrenzt oder gar zurückgewiesen werden.

Viel wäre gewonnen, wenn die Europäische Union Kennzeichnungsregeln für Produkte von Tieren einführt, die mit gentechnisch verändertem Futter gemästet wurden. Dann könnten endlich die Verbraucherinnen und Verbraucher über den Import von Gentech-Pflanzen auf ihre Märkte entscheiden. Des Weiteren müsste das Zulassungsverfahren für Gentech-Pflanzen in einer Weise verbessert werden, dass Flops wie die vielen nationalstaatlichen Anbauverbote für den MON 810 nach seiner Markteinführung zukünftig vermieden werden.

Insgesamt stellt sich die Frage, wie lernfähig die EU ist und ob sie den Anbau herbizidresistenter Pflanzen in Europa tatsächlich zulässt – und damit ein in Südamerika bereits gescheitertes System von Landwirtschaft. Tatsächlich finden die größten Kämpfe in der südlichen Hemisphäre statt. Dort, speziell in den Ländern mit schwacher Zivilgesellschaft, vermarkten die Unternehmen ihre Produkte hoch aggressiv – und ohne Rücksicht auf Verluste. So ist vor dem obersten argentinischen Gerichtshof eine Klage von spritzmittelgeschädigten Bewohnern der Sojaregionen anhängig, die schwere Gesundheitsschäden davongetragen haben. Auch vom Ausgang dieses Verfahrens – und der dafür geschaffenen Öffentlichkeit – wird abhängen, ob und wie stark die negativen Auswirkungen des Gentech-Anbaus in Übersee ins Bewusstsein der Europäerinnen und Europäer vordringen.

Entscheidend für den Erfolg oder Misserfolg der Agro-Gentechnik ist zudem, in welchem Ausmaß es ihren Lobbyisten gelingt, die Gesetzgebung in ihrem Sinne zu beeinflussen, und wie innovativ die beteiligten Gentechnikfirmen tatsächlich sind. Ob und wann die versprochenen Wunderpflanzen zur Bekämpfung des Welthungers, des Klimawandels und zur Lösung der Energiefrage jemals Marktreife erlangen werden, steht in den Sternen. Doch ewig können die Firmen ihre Heilsversprechen nicht wiederholen, ohne an der Realität gemessen zu werden – zumal die Agro-Gentechnik nach wie vor von einer deutlichen Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt wird.

Auch wenn mit dem Verbot von MON 810 ein wichtiger Kampf gewonnen werden konnte: Die Auseinandersetzung um die Agro-Gentechnik geht bereits in eine neue Runde. Und wie beim Fußball gilt: Das nächste Spiel ist immer das schwerste.

Quelle: Blätter für deutsche und internationale Politik - Ausgabe 07/2009
Für Seiten, die keine kommerziellen Ziele verfolgen, steht dieser Artikel zur freien Verfügung.
http://www.blaetter.de/artikel.php?pr=3123

1 Vgl. die Presseerklärung von 21 maßgeblichen Vertretern der Agrar- und Ernährungswirtschaft vom 18.5.2009 („Land – und Ernährungswirtschaft fordert verlässliche Gentechnikpolitik zur Sicherung des Innovationsstandortes Deutschland“), die Gemeinsame Erklärung der Wissenschaftsorganisationen zur Grünen Gentechnik vom 20.5.2009, das Memorandum von DLG und DFG-Senatskommission für Stoffe und Ressourcen in der Landwirtschaft: „Forschung in Freiheit und Verantwortung – Zum Status quo der Forschungsrahmenbedingungen zur Grünen Gentechnik“ vom 13.5.2009 und Annette Schavan, Ohne Gentechnik geht es nicht, in: „Financial Times Deutschland“, 18.5.2009.

2 Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), Bescheid vom 17.4.2009 an Monsanto.

3 Das beim BVL angesiedelte Standortregister verzeichnet unter
http://194.95.226.237/stareg_web/showflaechen.do
die Anbauflächen. Bauern müssen sie drei Monate vor Anbaubeginn melden.

4 Studie des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie,
http://www.smul.sachsen.de/lfl/publikationen/download/3646_1.pdf.

5 Zu den einzelnen Punkten ausführlich Ute Sprenger, Die Heilsversprechen der Gentechnikindustrie – ein Realitäts-Check, Studie im Auftrag des BUND, Dezember 2008.

6 Einen ausgezeichneten Überblick über die jüngsten Entwicklungen bietet die Studie von Christoph Then und Ruth Tippe, Saatgut und Lebensmittel. Zunehmende Monopolisierung durch Patente und Marktkonzentration, April 2009.

7 Gemeinsame Erklärung der Wissenschaftsorganisationen zur Grünen Gentechnik vom 16.4.2009.

8 Vgl. „Forschung in Freiheit und Verantwortung” – Zum Status quo der Forschungsrahmenbedingungen zur Grünen Gentechnik, Memorandum von DLG und DFG-Senatskommission für Stoffe und Ressourcen in der Landwirtschaft, 13.5.2009.

9 Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulrike Höfken u.a. und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen vom 8.5.2009, BT-Drucksache 16/12536.

10 Annette Schavan, Ohne Gentechnik geht es nicht, in: „Financial Times Deutschland“, 18.5.2009.

11 Vgl. www.agassessment.org.

Gentechnik-Kongress in Hutthurm: Daxenberger fordert Qualitätsoffensive

Hutthurm/Kumhausen, 27.4.2009: (RS) Ein klares Bekenntnis gegen die Gentechnik und die Blauzungenimpfung war das Resümee der niederbayerischen Grünen bei ihrem Fachkongress am Samstag in Hutthurm. Die Bezirksvorsitzende Rosi Steinberger konnte zu dieser Tagung einige hochkarätige Redner begrüßen. Den Beginn machte Dr. Toni Hofreiter, Biologe und Mitglied des deutschen Bundestags. Er sprach über die grundlegenden Unterschiede der Gentechnik im Vergleich zur herkömmlichen Pflanzenzüchtung. „Bei gentechnischen Verfahren werden Artgrenzen überschritten. Man kann Erbgut von Pflanzen und Tieren vermischen, so wie das bei der herkömmlichen Pflanzenzüchtung nie möglich wäre.“ Sind diese gentechnisch veränderten Organismen erst einmal in großem Maßstab in freier Natur entlassen, kann man sie nicht mehr zurückholen, sagte Hofreiter. Die Genkartoffel Amflora sei deshalb besonders gefährlich, weil sie ein Resistenzgen gegen ein Antibiotikum trage. „Bakterien sind aber in der Lage, sich Schnipsel von fremdem Erbgut einzuverleiben. Es wäre deshalb fatal, wenn eine Kartoffel mit dieser Resistenz großflächig in die Umwelt entlassen würde.“

Der zweite Redner war Sepp Daxenberger, Fraktionsvorsitzender der Grünen im bayerischen Landtag. Er konnte nicht umhin, zu den Bedenken gegen die Gentechnik auch andere Themen anzusprechen, die den Bauern derzeit unter den Nägeln brennen. „Jahrzehntelang wurden Bauern zu immer größeren Betrieben gedrängt. Du musst deinen Stall vergrößern, nur so kannst Du überleben, so habe es ständig geheißen. Aber wir können nie so billig produzieren, wie der Weltmarkt. Was wir können, ist bessere Qualität zu produzieren. „Es kann nicht sein, dass Hundefutter mehr kostet, als das Fleisch, das wir uns auf den Teller tun.“ Die Existenz unserer Bauern und unsere Kulturlandschaft sind in Gefahr, wenn wir die Entwicklung so weiter gehen lassen“, warnte Daxenberger und warb für eine Qualitästsoffensive. „Dazu gehört als erster Schritt die absolute Gentechnikfreiheit in Bayern.“ Über das bayerische Naturschutzgesetz könnte man das heute schon erreichen, indem die Abstandsflächen einfach groß genug angelegt werden. Die Versorgung der Welt mit Nahrungsmitteln könne nur durch bäuerliche Strukturen verbessert werden, aber nie durch industrielle Nahrungsmittelproduktion. Das habe auch der Weltagrarrat so erkannt. Wer die Gentechnik wolle, so wie einige prominente Politiker in Deutschland, spiele nur den Agrokonzernen in die Hände, die sich zum Ziel gesetzt hätten, die vollständige Kontrolle des Lebensmittelmarktes zu erreichen.

Aus Linz angereist war Dr. Johannes Voitleithner, Geschäftsführer der grünen Bäuerinnen und Bauern in Österreich. Er berichtete über den Widerstand in seinem Land gegen die Agro-Gentechnik, der von allen Parteien getragen werde. „Österreich reagiert sofort auf neue Zulassungsverfahren mit einem eigenen Import- und Anbauverbot. Außerdem gibt es in allen Bundesländern ein Gentechnik-Vorsorgegesetz. Die Landwirte in Österreich profitieren von dieser Regelung und die Saatgutwirtschaft verzeichnet eine große Nachfrage, weil man weiß, dass in Österreich keine GVOs geduldet werden“, so Voitleithner.

Der Futtermittelhersteller Josef Feilmeier, sei Jahren einer der stärksten Kämpfer gegen die Gentechnik, sprach in seinem Gastvortrag darüber, dass es jederzeit möglich sei, Futtermittel ohne Gentechnik zu beziehen. „Wer sich in die Fänge der Gentechnikkonzerne begibt, wird vollkommen kontrolliert und übernimmt die vollständige Haftung für alle Schäden“, so Feilmeier. „Wir wollen keine Landwirtschaft wie in den USA, wo Betriebe erst ab 2000 Hektar rentabel sind, und die Bauern von den Konzernen hundertprozentig abhängig sind.“ Feilmeier sprach sich für gentechnikfreie Futtermittel aus, die wesentlich gesünder seien. Schließlich sei gentechnisch verändertes Soja mittlerweile sehr stark mit Pflanzenschutzmitteln verunreinigt, worauf die EU die Grenzwerte schon drastisch angehoben habe.

Sepp Brunnbauer vom Biokreis sprach als letzter Redner das passende Schusswort. „Wir brauchen in Deutschland eine größere Wertschätzung der Lebensmittel. Die Diskussion über die Gentechnik hat die Verbraucher, die Brunnbauer lieber als Benutzer bezeichnen möchte, sensibilisiert und einen Trend zu mehr Qualität aus der Region eingeleitet.“

(Auf dem Foto: Toni Hofreiter, Sepp Daxenberger, Rosi Steinberger, Johannes Voitleithner, Josef Feilmeier)

Rosi Steinberger
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
__________________________
Dr. Toni Hofreiter, MdB
Bündnis 90/DIE GRÜNEN
Büro Landshut
c/o Steinberger
Rosenweg 12
84036 Kumhausen
0871/464 789
steinberger@toni-hofreiter.de
www.toni-hofreiter.de

Pressemitteilungen

GEN-Technik - Kongress

25.04.2009 - 10:00
25.04.2009 - 16:00
Etc/GMT+1

Anmeldung: keine-gentechnik(a t)gruene-niederbayern.de

GEN-Technik Kongress

Osterhofen, 10.2.2009: JR - Für Bayern sind 21 Standorte registriert, auf denen MON810 mit dem Namen "Zea mays" - Gentechnisch veränderte Eigenschaft - Insektenresistenz angebaut werden soll. Für drei Felder wurden die Anträge zwischenzeitlich zurückgezogen und dem Landkreis Deggendorf und damit auch dem Bezirk Niederbayern wird dieses Jahr kein Versuchsanbau zugewiesen. Ausschlaggebend, ob auf einem Versuchsfeld GEN-Mais angebaut wird, ist letztendlich das Bundessortenamt und nicht in erster Linie der Landwirt in Verbindung mit Monsanto. Welche Genpflanzen dieses Jahr in der Umgebung Osterhofen (hier hat Monsanto ein Versuchslabor!) versuchsweise angebaut wird, war nicht zu erfahren.

Anmeldung: keine-gentechnik(a t)gruene-niederbayern.de


Bayern muss gentechnikfrei werden

Experten Josef Feilmeier und MdL Sepp Daxenberger zeigten Wege auf

PNP-ARTIKEL vom 23.01.2009:
Perlesreut: (Norbert Peter) Aus der Sicht eines Verbrauchers von Lebensmitteln war Bürgermeister Manfred Eibl bei der Informationsveranstaltung des Bundes deutscher Milcherzeuger (BDM) geschockt, was durch gentechnisch veränderte Organismen (GVO) an Schaden für Mensch und Tier angerichtet werden kann. Es waren vor allem die engagierten Referate von Josef Feilmeier aus Edlham und vom Landtagsabgeordneten Sepp Daxenberger aus Waging, die all die Gefahren aufzeigten, die durch die Gentechnik verursacht werden können. Gefordert wurde ein „gentechnikfreies Bayern“ als Markenzeichen eines gesunden Lebens.
Josef Feilmeier, Initiator der Aktion „Gentechnikfreie Anbauzone“, erklärte nach der Einleitung durch den BDM-Kreisvorsitzenden Albin Gigl den rund 200 Zuhörern im Hotel „Zur Perle“ - auch viele Nicht-Landwirte waren dabei - man unterscheide „grüne, rote und weiße“ Gentechnologie. Während die Produkte der roten und weißen Gentechnologie auch für den medizinischen Einsatz weitgehend akzeptiert sind, ist die grüne Gentechnologie umstritten. Denn einerseits werde postuliert, dass die GVO-Techniken ein der Züchtung komplementäres Wissensgebiet sei und nur durch den Einsatz dieser Technologie die künftige Weltbevölkerung ernährt werden könne, andererseits werde auf die möglichen Gefahren für Umwelt und Nahrungskette hingewiesen.

Josef Feilmeier, Nachhaltigkeitspreisträger und Futtermittelexperte, versuchte erst gar nicht, seinen Unmut gegen Großkonzerne und die Gentechnik zu verbergen: „Man nimmt den Bauern die fairen Preise und gibt ihnen dafür Prämien. Dann gibt man ihnen viele Anträge für diese Prämien. Wenn sie beschäftigt sind, abhängig und mundtot, dann bringen wir die Gentechnik, dann nehmen wir ihnen die Fläche und beherrschen die Nahrung.“ Denn das und die Weltmacht sei es schließlich, worum es gehe, so Feilmeier.
Es sollte ein „Muss“ für jeden aktiven Landwirt sein, der Gentechnik eine totale Absage zu erteilen. „Nur so können wir unsere Freiheit erhalten und es wird nicht vorgeschrieben, was auf den Flächen angebaut und wie diese bewirtschaftet werden.“ Als Landwirt müsse man auf den eigenen Feldern und Wiesen weiter produzieren können wie bisher und es dürfe auf den gesamten Nutzflächen nur Saatgut verwendet werden, das auf natürliche Art gezüchtet und nicht gentechnisch verändert ist.
Was Gentechnik alles anrichten könne, zeigte Josef Feilmeier in aufwühlenden Bildern. Ein EU-Gutachten belegt erhöhtes Ausbreitungsrisiko für Raps durch den Pollenflug, in Mexiko fanden Wissenschaftler manipuliertes Erbgut in traditionellen Maissorten, obwohl dort seit 1998 keine genmanipulierten Maissorten mehr angebaut werden dürfen. Im Westen Kanadas entwickelt sich herbizid-resistenter wild wachsender Raps zu einem großen Unkrautproblem, auf einem spanischen Ökoacker wurden „unter anderem Gene für eine Antibiotikaresistenz“ entdeckt. Zuckerrüben geben ihr Erbgut an Wildpflanzen weiter, Weizen kreuzt sich mit Beikräutern wie dem Walch, Sonnenblumen zeigen ein erhöhtes Potenzial zur Ausbreitung in der Umwelt.
Für Feilmeier sind Genrückstände im Futter für Unfruchtbarkeit, Durchfall, Circo, Euterprobleme, Gelenksentzündungen bei Nutztieren verantwortlich. „Lasst Euch von Eurem Tierarzt bestätigen, dass er genfreie Medikamente einsetzt. Ihr habt das Recht dazu“. Auch beim Menschen komme die Zunahme von Allergien nicht von ungefähr.

Durch die umfangreiche Aufklärung der Landwirte stellten immer mehr die Futtermittel auf gentechnikfrei um. Daher appellierte Josef Feilmeier: „Keine Chance für Gentechnik“. Er forderte dazu auf, sich zu wehren, „denn wer Gen-Produkte kauft, erlaubt anderen, sie zu erzeugen“. Es gebe leider aber viele Politiker, die sich für Freilandversuche einsetzen. Würde nur ein Betrieb gentechnisch veränderten Mais anbauen, sei die ganze Umgebung kontaminiert. „Die Gentechnik ist nicht mehr rückholbar. Die Veränderungen des Bauplanes könnten in der Natur so niemals vorkommen“, erklärte Feilmeier.

Grünen-Landtagsabgeordneter Sepp Daxenberger, selbst Biobauer in Waging und Mitglied beim BDM, ist ein engagierter Verfechter der gentechnikfreien Milchproduktion, „denn im Grünland gibt es keine Alternative dazu“ kritisierte er den Deutschen Bauernverband, der zu sehr mit der Industrie und damit auch mit den Futtermittelherstellern „verbandelt“ sei. Herbe Kritik richtete Sepp Daxenberger an die Regierung des Freistaates Bayern, die auf eigenen Flächen gentechnisch veränderten Mais anbaut. „Es muss Priorität haben, in Bayern aus der Gentechnik auszusteigen. Dies ist eine wirtschaftliche Chance und eine Sicherung des Standortvorteils“, betonte Sepp Daxenberger.

Landtagsabgeordneter Alexander Muthmann meinte: „Alle müssen sich die Bedeutung der Landwirtschaft vor Augen führen“. Die Finanzkrise zeige deutliche Parallelen zur Gentechnik auf, da viele durch derartige Praktiken unendlich reich werden wollen. Vor allem die Aktionäre. Man müsse um Überzeugung werben und auf die regionalen Stärken ohne Gentechnik setzen.
Bürgermeister Manfred Eibl kündigte an, im gemeindlichen Mitteilungsblatt Informationen über die Auswirkungen der Gentechnik zu veröffentlichen. Der BDM sei ein Sprachrohr der Verbraucher und leiste hervorragende Arbeit.

BDM-Kreisvorsitzender Albin Gigl betonte: „Wir wollen faire Milch auf den Markt bringen“. Die Verbraucher sollen wieder regionale Produkte kaufen. Gigl regte an, Werbetafeln in allen Gemeinden aufzustellen und die Kuh „Faironika“ auch in die Kindergärten bringen. Es soll heißen: „Heimat ist dort, wo man sich wohlfühlt“.

Quelle: Norbert Peter - Passauer Neue Presse

Italienische Studie belegt Veränderungen im Immunsystem durch Gentech-Mais MON810

GLOBAL 2000 fordert sofortiges Importverbot für Gentech-Mais MON810 - Bundesregierung muss Risiko-Produkte aus dem Verkehr ziehen

Wien, 26. November 2008: Eine Fütterungs-Studie des italienischen Forschungsinstitutes für Ernährung und Lebensmittel kommt zu dem Ergebnis, dass der Gentech-Mais MON810 signifikante Veränderungen im Immunsystems bewirken kann. Das WissenschaftlerInnen-Team um Elena Mengheri hat die Auswirkungen von MON810 an gerade nicht mehr gesäugten und an älteren Mäusen überprüft und kam zu Ergebnissen, die häufig in Zusammenhang mit Allergien und Unverträglichkeiten stehen. Dies ist die zweite Studie innerhalb weniger Wochen, die Risiken von Gentech-Pflanzen belegt, die im europäischen Zulassungsverfahren nicht erfasst worden sind. „Wir müssen dieses Spiel mit dem Feuer umgehend beenden und das Zulassungsverfahren einer radikalen Reform unterziehen. Bis die EU den Schutz der Menschen und der Umwelt garantiert, brauchen wir österreichische Sofortmaßnahmen. Das Importverbot für den MON810 muss unverzüglich wieder in Kraft gesetzt werden", fordert Jens Karg, Gentechniksprecher der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000.

Österreich hat, auf Druck der EU-Kommission, das Importverbot für den Gentech-Mais MON810 als Lebens- und Futtermittel im Mai dieses Jahres aufgehoben. „Jetzt zeigt sich, dass Österreichs Gentech-kritischer Kurs der beste Schutz für die KonsumentInnen ist. Diesen Weg müssen wir konsequent weitergehen - zum Schutz der Menschen, der Umwelt und der heimischen Landwirtschaft“, so Karg weiter.

Im Gegensatz zu den sonst üblichen Untersuchungen wurde vom italienischen ForscherInnen-Team nicht nur das Protein auf sein allergenes Potenzial überprüft, sondern die gentechnisch veränderte Pflanze verfüttert. Dieses Verfahren ist nicht Bestandteil des europäischen Zulassungsverfahrens. In Darm, Milz und Blut der Versuchstiere wurden Veränderungen gemessen, die auf Entzündungen oder allergische Reaktionen hindeuten. Am stärksten war der Effekt laut Studie bei Jungtieren. Bei jungen Lebewesen ist das Immunsystem noch nicht völlig ausgebildet, deshalb sind diese möglicherweise empfindlicher, so die AutorInnen.

Auch das Mehrgenerationen-Design oder die Methode der fortlaufenden Zucht, welche bei der österreichischen Studie mögliche Risiken durch Gentechnik-Futtermittel aufzeigten, sind keine Standardansätze für die europäische Risikobewertung. Die aktuellen Studien bringen die Defizite der europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA ans Licht. „Es wird Zeit, dass die EFSA die KonsumentInnen endlich vor den Gentech-Risiken schützt und entsprechende Studien als Grundlage für ihre Bewertung einfordert. Es kann ja nicht sein, dass die KonsumentInnen vor der Schlamperei und Nachlässigkeit der EFSA geschützt werden müssen“, resümiert Karg.

Weitere Informationen:

GLOBAL 2000 Presse: Ruth Schöffl, Tel.: 0699/14 2000 19 , eMail: presse@global2000.at
GLOBAL 2000 Gentechnik-Sprecher Jens Karg: Tel.: 0699/14 2000 20

pdf Studie 26. November 2008 - 283 KB
Italienische Fütterungsstudie

GEN-Technik und die Lügen der CSU

CSU stimmt im Bundestag gegen gentechnikfreie Regionen

Berlin, 17.11.2008 Peinlich! Am letzten Mittwoch hat die CSU im Bundestags-Landwirtschaftsausschuss gegen einen Antrag der Grünen-Fraktion gestimmt, der das forderte, was die frisch gebackene Landwirtschaftsministerin Aigner und ihre Partei, die CSU, seit dem bayerischen Wahlkampf allerorts predigen: Gentechnikfreie Regionen müssen in Brüssel einen rechtlich verbindlichen Status erhalten – jede Gemeinde soll sich selbst gegen Gentechnik entscheiden können.

Dass die CSU ihre eigenen Versprechen als unglaubwürdig entlarvt, gibt uns die Möglichkeit, unserer Forderung nach einem Gen-Mais-Verbot in Deutschland Nachdruck zu verleihen. Denn Ministerin Aigner und die CSU lehnen ein solches Verbot mit dem Verweis darauf, dass sie stattdessen die gentechnikfreien Regionen stärken möchten, ab. Mit dem CSU-Votum im Bundestag ist aber glasklar: Hier handelt es sich nur um ein strategisches Ablenkungsmanöver. Nur ein Verbot kann uns vor den Gefahren des Gen-Mais schützen!

Über 15.000 Mails, die Campact-Aktive innerhalb von 48 Stunden an Aigners Minister-Vorgänger Horst Seehofer und den CSU-Landesgruppenchef im Bundestag, Peter Ramsauer schickten, hatten das falsche Spiel der CSU bereits im September zum Politikum gemacht.
Quelle: Von Stefanie Hundsdorfer · campact

Unterzeichnen Sie unsere Postkarte für ein Verbot von Gen-Mais MON810 an Ministerin Aigner!

  “...sehen Sie doch selber, ich ernähre mich seit über 4 Wochen ausschließlich von gentechnisch veränderten Lebensmitteln, ich kann behaupten, ähhh, mir fehlt sozusagen .. überhaupt .. nichts ...”
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