Eschensterben nun auch in Frankreich

1 post / 0 new
Letzter Beitrag
JR
Bild von JR
Offline
Beigetreten: 01.12.2007
Eschensterben nun auch in Frankreich
17.11.2008: Die Eschenkrankheit, die in Europa durch den Mikropilz Chalara Fraxinea verursacht wird, hat nun auch Ostfrankreich erreicht. Eine pathogene Entwicklung wurde schon Anfang des Jahres bei jungen Trieben im Département Haute-Saône (70) in der Region Franch-Comté festgestellt, jedoch anfangs auch aus sprachlichen Gründen offenbar nicht mit der seit 2005 in Ost- und Mitteleuropa grassierenden Eschenkrankheit in Zusammenhang gebracht. Nun ist das Labor der INRA Nancy damit beauftragt worden, den eigentlichen Erreger in einer geschlechtlichen Form zu bestimmen. Bisher ist es dem polnischen Forscher Tadeusz Kowalski lediglich gelungen, eine ungeschlechtliche Form des Mikropilzes nachzuweisen. Offen bleibt bisher noch, ob der Mikropilz zur Familie des Ulmenkillers gezählt werden kann, und ob gar eine Mutation stattgefunden hat, die den Befall von Eschen ermöglichte. Dem lothringischen Labor ist es bisher schon gelungen, den Krankheitserreger auszusondern und auf einen gesunden Baum zu übertragen. Im Unterschied zur Ulmenkrankheit spielt der Borkenkäfer als Bote keine Rolle. Dafür verbreitet sich die Eschenkrankheit in einem rasenden Tempo von etwa 300 km pro Jahr aus und griff schon im vergangenen Jahr auf Großbritannien über (Belgien soll bisher noch verschont geblieben sein).

Derweil steht im Département Haute-Saône die Esche unter Quarantäne. Eschenrundholz muss vor Ort verarbeitet werden, da man die Streuung des Pilzes nicht durch Rundholztransporte noch zusätzlich fördern möchte. Bisher sind im Département nur junge Triebe befallen. Es handelt sich insbesondere um die gemeinen Eschen (Fraxinus excelsior), die zusammen mit Erlen und Stieleichen die Ufer der Saône festigen, zumal diese Bäume Überflutungen gut überstehen. Allerdings musste Paul Grandjean, Korrespondent der Abteilung für Krankheitsbekämpfung (DSF) bei der ONF, dass das Eschensterben jetzt schon auf die angrenzenden Départements übergegriffen hat: Territoire de Belfort, Doubs, Jura, Vosges und vielleicht sogar Haut-Rhin. Kein Wunder, zumal auch die Schweiz über eine Krankheit klagt, die sich vom Baltikum aus über Polen und Österreich nach Westen ausbreitet.

Die meisten Forscher gehen von einer Auslöschung der Esche aus. Eine Ausnahme bildet eine schwedische Forschungsgruppe, die jener Baumart höhere Überlebenschancen einordnet, weil sie über eine weit höhere genetische Vielfalt als die Ulme verfügt. Die Franzosen wollen die privaten Waldbesitzer nicht verschrecken und warten noch auf den Befall von erwachsenen Eschen, bei denen bisher nur ein mehr oder weniger starker Rückgang der Beblätterung festgestellt wurde. Ergebnisse erster Studien aus dem Jahre 2007 in österreich zeigen allerdings, dass dort das Alter der Eschen keine Rolle spielt.

Mit einem stehenden Vorkommen von 82 Millionen fm bildet die Esche nach Eiche, Buche, Weißbuche und Kastanie die fünftgrößte Laubholzbaumart Frankreichs.

Quelle: Fordaq/JT

Solitäresche mit starkem Trieb-, Zweig- und Aststerben
Quelle: Solitäresche mit starkem Trieb-, Zweig- und Aststerben (Laussa, Oberösterreich, Juli 2007)
















Verursacht Chalara fraxinea das Zurücksterben der Esche in Österreich?

Autor(en): Thomas Kirisits, Michaela Matlakova, Susanne Mottinger-Kroupa, Erhard Halmschlager
Originalartikel: Kirisits, T.; Matlakova, M.; Mottinger-Kroupa, S.; Halmschlager, E. (2008): Forstschutz aktuell 43, 29 - 34
Online-Version: Stand: 3.9.2008
Redaktion: BFW, A
Edited by JR on 18.11.2008 - 08:29