Impfung verunsichert Landwirte
Impfstoff gegen Blauzungenkrankheit noch nicht zugelassen - Veterinär: Gerüchte streuen ist unverantwortlich
Von Tanja Rometta
Landshut/Hutthurm, 03.10.2008: Die schlechte Nachricht: Die Blauzungenkrankheit (BT) hat Bayern erreicht. Vor einem Monat wurde das Virus bei einem Rind im oberbayerischen Erding nachgewiesen, zwei Fälle sind dort inzwischen bekannt. Die gute Nachricht: Niederbayern blieb bisher verschont. Und das könnte auch so bleiben, denn es gibt eine Impfung gegen das Virus. Doch genau die sorgt für Verwirrung bei Landwirten, weil sie noch nicht zugelassen ist.
Trotzdem läuft die seit Anfang Juni vom Bundeslandwirtschaftsministerium angeordnete Impfaktion für Rinder, Schafe und Ziegen, mit dem Ziel, die Weiterverbreitung der durch Stechmücken übertragenen Krankheit einzudämmen. Alle Schafe und Ziegen müssen seit Anfang Juni, die Mutterkühe seit Mitte Juli und die restlichen Rinder seit August geimpft werden.
„Das macht skeptisch“
Doch da machen einige Landwirte nicht mit, denn die Gerüchteküche kocht heiß. „Ich bin kein Impfgegner“, sagt Landwirt Thomas Fuchs aus Hutthurm (Lkr. Passau). „Aber ich habe von einem Kollegen gehört, dass der BT-Impfstoff in der EU noch gar nicht zugelassen ist.“ Außerdem gingen Gerüchte von schlimmen Nebenwirkungen wie Nasenbluten bei den Kühen, Fehlgeburten oder einer Vermehrung der Zellen in der Milch um - „das macht skeptisch“, sagt Fuchs. 110 Bullen, Milchkühe und Kälber stehen in seinem Stall. Einen Ausfall der Tiere kann er sich nicht leisten, deshalb hat er sie noch nicht gegen BT impfen lassen: „Es kursieren die wildesten Gerüchte, aber von offizieller Seite wird man nicht aufgeklärt - vor allem nicht darüber, ob der Impfstoff zugelassen ist“, ärgert er sich.
„Den Vorwurf kann man nicht ganz vom Tisch wischen“, gibt ihm Alfons Völk, Sprecher der Regierung von Niederbayern, recht. „Der Impfstoff ist derzeit noch nicht zugelassen.“ Das soll erst 2009 geschehen, wenn das Robert-Koch-Institut die Prüfungsphase abgeschlossen hat. „Aber der Impfstoff wird schon jetzt mit einer Ausnahmeregelung des Gesundheitsministeriums nach dem Tierseuchengesetz eingesetzt - es eilt nämlich. Die Blauzungenkrankheit rollt auf uns zu“, so Völk.
Doch Impfverweigerer würden teilweise den Aufbau eines flächendeckenden Impfschutzes gefährden, der eine weitere Ausbreitung der Seuche verhindern soll. Und die ärgern auch Matthias Raz, Veterinäroberrat in Passau: „Es ist unverantwortlich, solche Gerüchte zu streuen. Franken ist zum Beispiel schon komplett durchgeimpft und es gab keine Nachrichten über Nebenwirkungen.“ Er selbst habe schon zahlreiche, wertvolle Kühe gegen BT geimpft. Die einzige Begleiterscheinung, die er im Landkreis Passau beobachtet hat, war eine allergische Reaktion bei einer Kuh - „aber das passiert mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 : 100 000.“
Berichte über Nebenwirkungen seien überhaupt mit Vorsicht zu genießen: „Oft war eine Kuh schon vorher krank und das schiebt man dann auf die Impfung“, sagt Raz. Gravierende Begleiterscheinungen sind auch bei der Regierung von Niederbayern, die immer wieder auf die Impfpflicht hinweist, noch nicht bekanntgeworden: „Normalerweise kontrolliert das der Tierarzt und gibt es dann ans Veterinäramt und das wiederum an uns weiter“, erklärt Alfons Völk.
Fakt ist: Seit Beginn der Flächenimpfung ist das Virus nur noch vereinzelt aufgetreten, weiß Matthias Raz. „Das zeigt, wie wirksam und erfolgreich die Impfung ist.“
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Kann sich einen Ausfall seiner Kühe nicht leisten: Landwirt Thomas Fuchs ist von den Gerüchten über den BT-Impfstoff irritiert. Er hätte von offizieller Seite mehr Aufklärung gewünscht. (Foto: Geisler)
Quelle: PNP - Passau
Informationen zur BLAUZUNGENKRANKHEIT
Die Blauzungenkrankheit (BT) ist laut Bundesgesundheitsministerium eine anzeigepflichtige Viruserkrankung der Wiederkäuer, die mit Fieber, Gefäßschädigungen und Ödemen einhergehen und tödlich sein kann. Auffälligstes Symptom ist eine Blaufärbung der Zunge.
- Nach dem ersten Auftreten der Krankheit in Deutschland im August 2006 sind 2007 insgesamt 20 623 und 2008 bis gestern 3631 Fälle bestätigt worden.
- BT ist eine nicht von Tier zu Tier ansteckende, von Stechmücken (Gnitzen) übertragene Infektionskrankheit.
- Das Virus ist für den Menschen nicht gefährlich. Fleisch- und Milchprodukte können ohne Bedenken verzehrt werden.
- BT kam bisher vor allem in warmen, südlichen Ländern vor, hat sich durch die globale Erwärmung aber ausgebreitet. Hierzulande schwappt die Viruswelle von Westdeutschland nach Norden, Süden und Osten über.







